Artikel

DAS MITTELALTER — HARTE ZEITEN FÜR DIE KATZE
2007-04-02

Die Zeiten des Mittelalters waren ausserordentlich eigenartig und berüchtigt.
Aberglauben, beschwörende Riten und Glaubensrichtungen waren bei den Völkern sehr stark vertreten.
Auch die Katze, ein enorm umstrittenes Tier, war nicht gefeit vor dem Einfluss dieser Zeiten.
Wie wir wissen, wurde die Katze, die ihren Ursprung im alten Ägypten hat, heimlich von dort nach Europa importiert, wo sie sich erfolgreich ausbreiten konnte.

Genau, wie die Ägypter, sahen die Völker in dieser Epoche in der Katze noch einen Glücksbringer.
Das Tier war ein Fruchtbarkeitssymbol, deshalb war es wichtig, dass junge Paare eine Katze besassen, denn so konnten sie mit einem reichen Kindersegen rechnen.
In einigen Gegenden Nordeuropas war man überzeugt davon, dass ein frischvermähltes Brautpaar grosses Glück bei seiner Familiengründung finden würde, wenn sich eine weisse Katze vor seinem Haus niederliess.
Unverheiratete junge Frauen allerdings mussten achtsam sein, wo sie hintraten, denn man sagte, dass es Unglück bringen würde, einer Katze, insbesondere einer schwarzen, auf den Schweif zu treten und, dass die betroffene arme, junge Frau in diesem Jahr ganz sicher nicht mehr heiraten würde.
In Schottland hingegen war es Brauch, den Neuzugang einer Katze in einem Haushalt mit einem ganz speziellen Ritual zu feiern: Die Katze musste, um Unterschlupf zu erhalten, dreimal um den Kamin laufen und schliesslich wurden ihr die Pfötchen an den Steinen des, natürlich erkalteten Kamins, abgestreift.
Man wollte so verhindern, dass die Katze weglaufen und das „häusliche Glück“ mit sich nehmen würde.

Bisher sprachen wir von sympathischen Ritualen rund um die Katze, die uns zum Lächeln verleiten, es gab allerdings in der Folgezeit noch ganz andere, äusserst grauenhafte und blutige.
In England beispielsweise, begann man mit Riten, die, auch wenn sie aus guter Absicht heraus entstanden sind, unglaublich grausam waren: Man mauerte eine lebendige(!) Katze in die Grundmauern eines Hauses ein und glaubte, so das Haus vor dem Einsturz oder vor anderen Schäden bewahren zu können.
Auf gar keinen Fall darf man annehmen, diese Barbarei sei nur von der Unterschicht durchgeführt worden. Es existieren glaubhafte Berichte, die bestätigen, dass sogar im berühmten Turm von London, Katzen eingemauert wurden, um ihn vor Invasionen, Zerstörung oder ähnlichen Gewalttaten zu schützen.

Dies war der Beginn einer Spirale, die immer gefährlicher für unseren vierbeinigen Freund wurde und alles geschah aus der unsinnigen Meinung heraus, dass die eingemauerte Katze absoluten Wohlstand und vollkommenes Glück denjenigen bescheren würde, die dieses Haus bewohnten.
Die erwähnten Ereignisse fanden statt zu den Zeiten des heiligen Franziskus, Zeiten, in denen auch die Religionen Liebe zu den Tieren proklamierten. Nur Katzen waren ausgeschlossen von dieser Liebe, unter anderem auch deshalb, weil viele heidnische Bräuche, die von den Ägyptern und Germanen schon praktiziert wurden, dazukamen.
Logischerweise richteten sich diese Riten gegen den Teufel persönlich oder zumindest gegen dessen Gefolgschaft.

Die Menschen hatten schon immer das Talent, ihre Meinungen und Ansichten so zu ändern, dass sie die, für sich selbst günstigste Position herausschlagen konnten.
Lange Zeit galt die Katze als Glücksbringer, als sich aber in der Mitte des 13. Jahrhunderts in ganz Europa eine furchtbare Pestilenz ausbreitete, während deren Millionen von Menschen starben, änderte das Verhalten der Bevölkerung den Katzen gegenüber schlagartig.

Die Pest war zwar keine Neuheit für die Menschen, aber noch nie hatte sie so katastrophale Auswirkungen gezeigt.
Die Leute waren machtlos gegen diese Plage, von der niemand verschont blieb. Sie wussten nicht, was sie tun sollten oder wem sie die Schuld für diese Epidemie geben konnten. Da sie nicht wussten, dass die Pest hervorgerufen wurde durch Schmutz und schlechte hygienische Verhältnisse und von Ratten und Läusen übertragen wurde, suchte die Mittelklasse und mit ihr die gesamte Bevölkerung einen Grund, der die Menschen von jeder Verantwortung freisprach.

Welche Erklärung war naheliegender, als die von etwas Unerklärlichem, etwas Übernatürlichem?
Alles, was man nicht erklären konnte, wurde in diesen Zeiten dem Teufel zugeschrieben. Er wurde für alle Himmelsbewegungen, Naturkatastrophen und Unglücke zur Verantwortung gerufen.
Aber selbst, wenn man als Schuldigen den Teufel vor Gericht zog, musste dennoch eine Erdenfigur gefunden werden, die man zur Rechenschaft ziehen und bestrafen konnte.
An diesem Punkt fiel die Wahl auf drei ganz präzise Kategorien:

Zuerst einmal waren da die Hebräer. Sie waren von Anfang an Fremde, denen man nachsagte, die Menschheit für immer zerstören zu wollen und, vor diesen Fremden hatte man eine undefinierbare Furcht.

Die zweite Kategorie war die der Hexen. Aber hier musste man einen gebührenden Vergleich finden, denn es wurde viel Energie aufgewandt, die Hexen aus dem gesellschaftlichen Leben völlig herauszuhalten. Man war der Überzeugung, dass diese Frauen (es gab zwar auch Männer, die der Hexerei beschuldigt wurden, diese wurden aber im allgemeinen als Ketzer bezeichnet.) einen direkten Draht zum Teufel hatten und aus diesem Grund wurden sie während der Inquisition auf Scheiterhaufen verbrannt.
Sehr oft endeten auch Frauen auf dem Scheiterhaufen, die gar keine Hexen waren, die aber unter Folter alles zugaben oder die geisteskrank waren und sich deshalb nicht selbst verteidigen oder ihr Verhalten erklären konnten.
Auch Epilepsiekranke Menschen wurden oft der Hexerei beschuldigt, denn aufgrund ihrer Anfälle glaubte man, sie fallen in Trance und seien vom Teufel besessen.
Es ist begreiflich, dass diese unbekannten Ereignisse und Krankheiten in diesen Zeiten einen weiteren Grund für Ängste abgaben, die man dem Teufel zur Last legte.

Die dritte Kategorie waren die Katzen, die man als direkte Gefolgschaft oder Ausgeburt des Teufels bezeichnete.
In der Tat entspricht es der Wahrheit, dass die sogenannten Hexen oft spontan zugaben, mit dem Teufel, der sich in Gestalt einer, vorzugsweise schwarzen Katze präsentierte, ein Verhältnis zu haben. Katzen und Hexen traten schon immer als Paar auf.
Die Alternative zu einem Liebesverhältnis, war eine mütterliche Verbindung: Die Hexen gestanden, den Teufel zu ernähren und ihn mit ihrem Körper und ihrem Blut zu beschützen.

Aus diesem oder jenem Grund, die Katze blieb ein beunruhigendes, geheimnisvolles Bild der schwarzen Magie und der verdammten Seelen all der Armen, die auf Erden umherirrten, immer auf der Suche nach Vergebung ihrer Sünden.

Die pyromanischen Tendenzen wurden in diesen Zeiten immer beliebter und somit gab es, in den Augen der Menschen, keine bessere Bestrafung, als die durch Feuer. So begann eine regelrechte Massenverfolgung.
Es gibt geschichtlich belegte Berichte, die von Gemetzeln, die durchgeführt wurden, um Epidemien, die angeblich der Teufel ausgelöst hatte, auszurotten, sprechen.

In einigen Gegenden Belgiens wurden die Katzen nicht verbrannt, sondern hier herrschte die Tradition des „Werfens der Katzen“. Über Hunderte von Jahren versammelten sich die Leute an jedem ersten Mittwoch im Monat August, um die Katzen, die man im Lauf des Jahres gefangen hatte, von einem Turm zu werfen.
In Deutschland wurden Feste gefeiert, man kann diese vielleicht als die Urmütter der heutigen Kirchweihfeste bezeichnen, während derer man vier volle Tage und Nächte ein „Katzengrillfest“ veranstaltete. Es wurde behauptet, dass derjenige, der die meisten Katzen braten konnte, mit dem „zweiten Gesicht“ belohnt wurde.

All diese Traditionen waren selbstverständlich heidnischen Ursprungs. Die Belohnungen wurden natürlich gemacht, um die Gegenwart des Teufels auszutreiben, aber nicht selten war Gott selbst der Nutzniesser.
Während den Krönungsfeierlichkeiten von Elisabeth I., die, wie man weiss, der anglikanischen Kirche vorstand, wurde beispielsweise ein spezieller Korb präpariert, auf dem eine Figur mit dem Bild, des damals sehr verhassten Papstes, angebracht war. In diesen Korb wurden lebende Katzen gesteckt, dann wurde er durch die Strassen Londons bis zur Westminster Abbey getragen und dort vor der grölenden Menschenmenge angezündet. Mit den Schreien der Katzen, die natürlich den Teufel im Papst symbolisierten, wollte man Gott erfreuen.

Diese Hysterien zogen sich über Jahrhunderte hin und wurden im Laufe der Zeit immer absurder. Eine Anekdote in diesem Zusammenhang erzählt von einem Gastwirt, der beobachtete, dass im Keller gelagerter Wein, entweder verschwand oder verdarb. Eines Nachts versteckte er sich in dem Keller, weil er herausfinden wollte, was hier vor sich ging.
Später sagte er dann vor Gericht aus, dass er schwarze Katzen, die im Keller umherirrten, beobachtet hatte. Um sie zu vertreiben, schlug er mit einem Schwert nach ihnen und verletzte sie auch.
Am nächsten Tag traf er auf einen Bauern, seinen Nachbarn, der, aufgrund einer schweren Verletzung am Bein, stark hinkte. Der unglückliche Bauer stand schon seit längerem im Verdacht der Hexerei und ihm wurde natürlich sofort der Prozess gemacht. Er wurde schuldig gesprochen und zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt.

Die Hypothese, dass es Menschen gab, die sich in Katzen verwandeln konnten, wurde in diesen Jahren bekräftigt durch die erwähnten Hexen, die selbst behaupteten, gegebenenfalls mit Hilfe von magischen Zauberformeln, ein katzenartiges Aussehen annehmen zu können.
Über dieses Problem wurde lange diskutiert und schliesslich kam man zu dem Ergebnis, dass sich eine Hexe höchstens neun Mal in eine Katze verwandeln könne. Von hier stammt auch die Idee der neun Leben einer Katze.

Es entwickelte sich das sogenannte „dreifache Gesetz der Hexerei“, das besagte, dass alles, Gutes, wie Schlechtes, das mit magischen Künsten öfter, als dreimal, praktiziert wurde, wie ein Bummerrang auf denjenigen, der es getan hat, zurückkommen würde.
Im Hinblick auf Katzen verdreifachte sich diese Eigenschaft noch.
Ein berühmter Schriftsteller behauptete, der Unterschied zwischen einer Lüge und einer Katze bestünde darin, dass die Katze nur neun Leben habe...

Es waren mehr als drei Jahrhunderte seit der verheerenden Epidemie, die dieses Spektakel gegen die arme, unschuldige Katze hervorgerufen hatte, vergangen. In England breitete sich erneut die Pest aus und dezimierte die Bevölkerung.
Doch glücklicherweise sind all die Jahre nicht vergebens vergangen und auch die Wissenschaften mussten zugeben, dass diese Krankheit nicht von den Katzen ausgehen konnte.
Auch die Kirche änderte mit der Zeit ihre harte Haltung diesen Tieren gegenüber und entschied, die Katze in Klöstern als Haustiere einzuführen.

Auch in Frankreich wurden die Scheiterhaufen immer seltener benutzt und man erzählt sich, dass Kardinal Richelieu absurderweise einen grossen Teil seines Erbes seinen zahlreichen Katzen hinterlassen habe.
Somit wurde die Katze erlöst und in einen Verfechter des Rechts umgewandelt, der dazu da ist, die Schwachen zu verteidigen.
Natürlich brauchte es viele Jahre, um all die Vorurteile den Katzen gegenüber ausrotten zu können und erst während der französischen Revolution gelang es, all die Aberglauben zu eliminieren oder wenigstens einzudämmen.
Einfachste Allergien, die zu Zeiten Napoleons noch unbekannt waren, interpretierte man als unheilvolle Vorahnungen, beispielsweise vor Schlachten.

In der Mitte des 17.Jahrhunderts wurde die Katze dann im Kampf gegen Ratten und Mäuse eingesetzt. Endlich hatten die Menschen begriffen, dass die Epidemien nicht von den Katzen, sondern von den Ratten ausgelöst wurden.
Dies führte auch in Europa zu einem grossen Erfolg der Katze und sie wurde auch hier zur Bekämpfung der Pest, die sich immer wieder ausbreitete, eingesetzt.

Auch, wenn die Katze nicht mehr, wie bei den alten Ägyptern, als göttlich angesehen wurde, so war sie doch ein positiver Agent für das menschliche Leben und durfte um 1800 auch wieder in die Häuser der Menschen zurückkehren.
Im viktorianischen Zeitalter erlebte die Katze einen unglaublichen Aufschwung und wurde vollständig rehabilitiert.

Nachdem der hygienische Aspekt einmal aufgewertet war, begann man sich auch mit dem ästhetischen zu befassen und entdeckte, dass die Katze nicht nur äusserst sauber, sondern auch schön, elegant und sehr charmant ist.
Vielleicht war es das schlechte Gewissen der englischen Oberklasse, dass die Katze plötzlich als wertvolles Geschenk angesehen wurde.
Daraufhin wurde ein Buch, das erste überhaupt, veröffentlicht, das von der Pflege der Katze handelte.

Dies war sozusagen die totale Befreiung der Katze im Hinblick auf die Gesellschaft und nach fast vier Jahrhunderten der Verfolgung und der Qualen, durfte sie endlich ihren wohlverdienten Ruhm geniessen.
Besuchen Sie doch die erste Katzenausstellung! Wo? Natürlich in London!


Anrufen

Rufen Sie jetzt gleich ohne Anmeldung den Berater Ihres Vertrauens zu einem persönlichen Beratungsgespräch an.

Anrufen für Mitglieder

Share |