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Antonella freute sich auf die wohlverdienten Ferien mit ihrem Mann. Begleiten Sie sie auf der Fahrt nach Frankreich und wundern auch Sie sich, was einem für unglaubliche Dinge widerfahren können.
FERIEN – GESTERN UND HEUTE
Es war August, im Jahr1980, ... die Vorfreude hatte ihren Zenit erreicht, ...die Koffer waren gepackt, ...ein letzter Kontrollblick durchs Haus, ob alles in Ordnung ist. Gut! Endlich können wir in diesen langersehnten Urlaub starten.
Unser Ziel dieses Jahr ist Südfrankreich. Die Stunden im Auto vergehen schnell und unsere Begeisterung steigt immer mehr. Bei einer Raststätte machen wir eine Pause und phantasieren unterdessen über die nächsten Tagen in diesem neuen Land - wer weiss, warum wir uns für Frankreich entschieden haben?
Seit Monaten hatten wir diesen Urlaub geplant, allerdings an einem ganz anderen Ort.
Am frühen Nachmittag beginnt sich die Langeweile breit zu machen. Die Landschaft wird eintönig und entspannend.
Land, soweit das Auge reicht, überall grün.
Wir beschliessen, noch einmal anzuhalten, um uns, umringt von all diesem Grün, ein bisschen auszuruhen, bevor wir an unserem Ziel ankommen.
ALLES IST PERFEKT....ZU PERFEKT
Wir finden einen einladenden Platz und halten, um eine Zwischenmahlzeit zu uns zu nehmen.
Plötzlich aber möchten wir weiterfahren, fast so, als wenn wir zu spät zu einer Verabredung kämen.
Dieser Gedanke bringt uns zum Lachen, aber wir fahren trotzdem weiter.
Die Strasse vor uns erscheint uns, wie ein langer, grauer Strich, der in der Hitze der Sonne schaukelt, gerade, als sei sie mit wirklichem Leben versehen.
Die Hintergrundmusik ist perfekt für die lange Reise und alles geht bestens voran. ...Zu perfekt!
Zu unserer Linken sehen wir eine Strasse, die von einer dichten Baumgruppe verdeckt wird.
Es gibt keine Hinweisschilder, die Hauptstrasse ist die, die nach Dijon führt, aber..... instinktiv setzt mein Mann den Blinker ... und biegt in die Nebenstrasse ab.
In diesem Moment schauen wir uns an und es jagt uns einen Schauer über den Rücken.
Das Strässchen scheint uns einzuladen, der gegenüberliegende Wald nähert sich immer mehr und versteckt, wer weiss was für ein Geheimnis.
Nun sind wir schon hier, also fahren wir auch weiter.
Um die Spannung aufzulösen, die sich unvermeidlich gebildet hat, sage ich meinem Mann, dass ich mir vorstelle, wie sich die Landschaft präsentieren wird, die wir nach der Kurve sehen werden.
Ich habe die Situation verschlimmert. Das merke ich schnell und erzähle ihm deshalb, mit einem ziemlich gezwungenen Lachen, dass wir nach der Kurve in ein Dörfchen kommen werden, mit Häusern links und rechts von der Strasse und, dass wir auf der linken Seite eine niedliche Kirche finden werden, ...typisch für diese Bergdörfchen.
„Die Häuser“, fahre ich fort, „sind alle aneinander gereit und, alle zusammen, vermitteln uns einen besonderen Eindruck von diesen abgelegenen Ortschaften in den Tälern der hohen Berge.
Die Fensterläden haben eine warme Ziegelsteinfarbe und die Mauern sind mit Steinen verziert, welche uns angenehm rustikal erscheinen werden.“
Natürlich schaut mich mein Mann verblüfft an, mit hochgezogenen Augenbrauen und beginnt sofort über diese „Voraussagung“ zu scherzen: „Dir fehlt nur noch die Kristallkugel und die Katze auf der Schulter – und die Hexe ist perfekt.“
Ich gehe auf seinen leichten Ton ein, auch wenn dieses mulmige Gefühl, das ich beschrieben habe, immer stärker wird.
Als wir aber an dieser besagten Kurve ankommen, bietet sich uns ein unglaubliches Bild.
Mir stockt fast der Atem, alles ist genauso, wie ich es beschrieben habe, bis ins kleinste Detail. Es scheint eine Photografie zu sein, von dem, was ich mir noch vor ein paar Minuten eingebildet hatte. Wir fühlen uns beweglos, alles scheint so unwirklich, fast wie in Zeitlupe.
Die wenigen Personen, die wir sehen, schauen uns an, als wären wir Ausserirdische.
Auch sie erscheinen uns eigenartig, ihre Kleidung hat etwas Antikes, etwas Unwirkliches.
In den Bäumen bewegt sich kein Blatt, wir hören nur das Geräusch unseres Atems, der keuchend geworden ist.
DIE SONNE SCHEINT FALSCH ZU SEIN, VERMITTELT KEINE WÄRME
Ich kann es nicht abwarten, aus diesem Traum zu erwachen, mir ist kalt, obwohl es Hochsommer und sehr warm ist. Die Sonne scheint falsch zu sein, sie gibt diesem Dorf, das aus einem Bild herausgeschnitten zu sein scheint, keine Wärme.
Wir sind bestürzt und setzen unsere Fahrt fort. Ich bin verwirrt, doch plötzlich sehe ich in der Ferne zwei Personen, die uns entgegenkommen.
Es handelt sich um einen älteren Herrn und eine Frau, etwa gleichen Alters.
In ihren Gesichtern erkenne ich etwas Vertrautes. Ich kann es nicht erklären, aber in diesem Moment hat mein Geist eine Erleuchtung.
Das ist nicht möglich! Ich möchte fliehen aus diesem Dorf, aus dieser Geschichte, die mich in ihrer gelassenen Ruhe terrorisiert!
Ich will nichts weiteres mehr wissen oder sehen.
Mein Mann hat offensichtlich den gleichen Gedanken, denn er schaut mich an und tritt im selben Moment das Gaspedal durch.
Aber es scheint, dass unser Auto festgehalten ist, in einer Art Treibsand ...die Sekunden vergehen in einer nervtönenden Langsamkeit.
Es ist nichts passiert, dennoch wird mein Panikgefühl immer stärker, unsere Angst, vor was eigentlich?... wird immer stärker.
Plötzlich erscheint am Horizont die Hauptstrasse, die wir, wie es mir scheint, vor einem Jahrhundert verlassen haben. Ich finde die Kraft auf die Uhr am Armaturenbrett zu schauen und stelle fest, dass nur etwa zehn Minuten vergangen sind.
Die Sonne ist wieder warm und die Temperaturen erhöhen sich plötzlich.
Wir schauen uns erneut an, unsere Augen sind gezeichnet von einem Schatten der Angst, die wir nicht auszudrücken wissen.
Endlich erreichen wir die Hauptstrasse und stellen fest, dass wir nur zirka 500 Meter weiter sind, von dem Punkt aus, an dem wir in das Strässchen eingebogen sind.
Ich verstehe es nicht, aber etwas ist geschehen.
Ich weiss, dass dieses Dorf meine Vergangenheit ist, die zwei Menschen, die ich laufen sah, waren mein Mann und ich, in einer längst vergangenen Zeit.
Dies war das Dorf unseres früheren Lebens.
Eines weiss ich sicher: ich werde nie wieder Scherze oder unbedachte Voraussagungen machen, über Ortschaften, die ich nicht kenne.
Ich denke immer noch über das soeben Erlebte nach, als ich merke, dass ich um etwas eine Faust balle. Ich öffne meine Hand, und sehe einen zerknüllten Zettel.
In einer unsicherer Schrift sind einige Zeilen geschrieben und diese beginnen so:
„August 1880, ich laufe mit meinem Mann durch den Wald und wir scherzen über die Landschaft, die sich fantastisch vor unseren Augen präsentiert.
Vor uns erscheint ein Waldweg, versteckt von den Bäumen und ich vergnüge mich, mir vorzustellen, was wir nach der Kurve finden werden.......“
Antonella




