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Sie sind selbstverständlich und laufen oft stereotyp ab: Die Arbeitspausen.
Dennoch kann man manchmal über die Pausen-Gewohnheiten mancher Arbeitskollegen schmunzeln oder gar den Kopf schütteln.
Auch Roland Horn hat da so seine Erfahrungen gemacht.
Ich erinnere mich an eine ehemalige Kollegin, die ständig von ihrem Magengeschwür und, den damit verbundenen unangenehmen Blutungen erzählte, während sie sich um 9 Uhr morgens bereits die erste Pizza einverleibte.
Ich erinnere mich weiter an eine Pflegedienstleiterin, die uns ermahnte, weil wir, die Pflegekräfte, die Nachmittagspause gemeinsam auf Station verbrachten. Unser Argument, wir seien zu dritt und so müsse sonst einer allein in die Cafeteria gehen, wenn wir nicht auf Station essen würden, liess sie nicht gelten.
„Niemand hat das Recht, in Gesellschaft frühstücken zu dürfen,“ sagte sie und verwies darauf, dass eine gemeinschaftliche Pause auf Station keine regelrechte Pause sei, denn man sei ja schliesslich ständig in Bereitschaft. Schliesslich könne ein Patient klingeln.
Eine Pause muss jedoch zur Erholung dienen, es darf keine Bereitschaftssituation herrschen.
Die, an sich richtige und logische, Erklärung hinderte die gleiche Pflegedienstleiterin jedoch nicht daran, sich regelmässig in der Cafeteria an unseren Tisch zu setzten und uns Dienstgespräche aufzuzwingen...
Was in der Pause getan würde, stünde dem Einzelnen grundsätzlich frei, sagte sie. Uns war das relativ schnuppe. Wir assen immer in der Pause. Die meisten zwei Brötchen, ich grundsätzlich drei. „Es kann auch niemand etwas dagegen haben, wenn jemand seine Pause nutzt, um eine Runde um den Block zu joggen“, sagte unsere Pflegedienstleiterin, doch niemand von uns hatte je Interesse daran, statt zu frühstücken, um den Block zu laufen.
In anderen Betrieben soll es aber tatsächlich vorkommen, dass ein Mitarbeiter die Pause zu derartigen Aktivitäten nutzt und joggt.
In Japan indes wird nicht so viel Wert aufs leibliche Wohl gelegt - dort sind Gymnastikpausen üblich. Also auch dort ein stereotypes Verhalten: Es gilt als selbstverständlich, dass die Pausen auf diese und keine andere Weise genutzt werden.
Genauso, wie es in Japan üblich ist, seinen Jahresurlaub dem Betrieb zu schenken. Doch das ist wieder ein ganz anderes Thema,
Würde bei uns ein Betriebsleiter verlangen, dass die Pausen zum körperlichen Training, statt zum Essen und Trinken genutzt würden - die Protest liessen nicht lange auf sich warten.
Im Nachtdienst, im Bereich der Kranken- und Altenpflege, so entschied vor einiger Zeit ein Gericht, darf überhaupt keine Pause angerechnet werden. Der Grund dafür ergibt sich aus dem bereits Gesagten: Jederzeit könnte ein Patient klingeln oder ein Notfall eintreten und somit befinden sich die Dienstausübenden ständig in Bereitschaft und können keine Erholungsphase nehmen.
Unsere damalige gute Pflegedienstleiterin gestand uns auch kleinere Päuschen ausser der Reihe zu. Diese musste man freilich im stationären Dienstzimmer nehmen. Sie sollten zur kurzfristigen Erholung dienen und wurden zum Kaffeekonsum genutzt. Die Raucher unter uns hechelten diesen Päuschen regelrecht entgegen...
In den meisten Betrieben sind die Mittagspausen die längsten Werkpausen. So können sie durch einige ortsansässige Mitarbeiter dazu genutzt werden, nach Hause zu fahren, um sich eventuell ein, vom nicht arbeiteten Partner oder, bei jüngeren Arbeitnehmern, durch die Mutti zubereitetes Mahl munden zu lassen.
Doch dieses, vor wenigen Jahrzehnten noch übliche, Pausenverhalten nahm mittlerweile drastisch ab, was auch daran liegt, dass vermehrt beide Partner arbeiten gehen.
In einschlägigen Zeitschriften und Fernsehsendungen ist der „Quickie in der Mittagspause“ ein sehr beliebtes Thema und manchmal finden diese „Quickies“ tatsächlich auch im Betrieb statt.
Hieraus entsteht wiederum das Thema „SEX am Arbeitsplatz“ - ebenso ein beliebtes Thema - nicht nur in einschlägigen Magazinen und Fernsehsendungen.
In Betrieben, in denen mit Computern gearbeitet wird, ist es längst Mode, dass private E-Mails in der Pause abgerufen und beantwortet werden.
Ja - auch die Arbeitspausen-Bräuche passen sich an die moderne Zeit an.
Manchmal lassen es die Chefs auch zu, dass ausserhalb der Pausen private E-Mails beantwortet werden dürfen. Sicherlich steigert dies die Motivation der Mitarbeiter.
Bei Bauarbeitern werden die Pausen traditionell genutzt. Dort greift man in den Ruhezeiten zu mitgebrachten belegten Broten, Kaffee aus Thermoskannen und Bier. Oft hat man allerdings den Eindruck, die Arbeiter hätten mehrere Stunden Pause, zumindest, wenn man den Bierkonsum betrachtet...
Als ich vor einigen Jahren meinen Wagen in die Autowerkstatt brachte und dabei blieb, um die Arbeiten zu überwachen, fiel mir eine besonders strenge Handhabung der Pausenregelung auf.
So erscholl Punkt 9 Uhr eine Sirene, woraufhin die Mechaniker alles stehen und liegen liessen und - ja man kann beinahe sagen: im Gänsemarsch, genau eine halbe Stunde später, nachdem erneut die Sirene erscholl - zu ihrer Arbeit zurückkehrten und just dort weitermachten, wo sie zuvor aufgehört hatten.
Auf diese Art und Weise eine Pause einzuläuten, ist im Pflegedienst kaum möglich.
Zunächst muss man ja mindestens in zwei Schichten in die Pause gehen, und schliesslich kann man beispielsweise einen bettlegerischen Patienten, den man gerade begonnen hat, zu waschen, nicht einfach eine halbe Stunde lang liegen lassen.
Und die Zeit abzuschätzen, die man braucht, ist auch nicht immer einfach, da oft auch etwas dazwischen kommt. So kommt es immer wieder vor, dass ein Mitarbeiter über die Station tigert, um zu sehen, ob die anderen soweit sind. Die sind es meistens nicht.
Also fängt die nach Frühstücksgefährten Ausschau haltende Pflegekraft wieder eine neue Arbeit an und so verschiebt sich der Pausengang oft unwillkürlich und nicht unerheblich.
Die Organisation der Pausengänge ist im Krankenpflegdienst eine Angelegenheit, die nicht einfach zu regeln zu sein scheint...
Das Frühstücksritual zweier Stationsschwestern, mit denen ich vor längrer Zeit zusammenarbeitete, lief sogar äusserst stereotyp ab: Erst wurden zwei Brötchen verschlungen, dann zwei gekochte Eier verspeist und danach sprang man auf, entsorgte das Essenstablett und eilte in den Raucherraum, um ja noch zwei Zigaretten rauchen zu können.
So gelang es tatsächlich, nach einer halben Stunde wieder auf Station zu sein.
Insgesamt kann man sagen, dass die Arbeitspausen in Deutschland tatsächlich ziemlich stereotyp ablaufen und, dass Speis’ und Trank dabei im Mittelpunkt stehen. Fast jeder Arbeitnehmer nutzt seine Pause zur Einnahme von Mahlzeiten und zum Konsum von Getränken, vorzugsweise Kaffee. Wenige Ausnahmen bestätigen die Regel...
Roland




