Berater des Tages

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FRAUEN, DIE DIE WELT BEWEGTEN
2009-08-05

MARILYN MONROE (1.Juni1926 — 5.August1962)

Am 1.6.1926 um 09.30 wurde im General Hospital in Los Angeles das dritte Kind von Gladys Pearl Baker, geborene Monroe, einer lebenslustigen, geschiedenen Filmcutterin, geboren und auf den Namen Norma Jeane getauft. Über den Vater gibt es viele Spekulationen, er blieb aber unbekannt.

Bereits zwei Wochen nach ihrer Geburt kam Norma Jeane in Pflege zu dem Ehepaar Ida und Albert Bolender, zwei strenggläubige Anhänger der Pfingstgemeinde.
Marilyn äussert sich später: „Jeden Abend musste ich beten, damit ich nicht in die Hölle komme: Ich fristete ein humorloses Leben, ohne Kinderstreiche und kleinen Notlügen, denn das waren Sünden. Ich flüchtete mich in eine Traumwelt. Gut erinnere ich mich an die ersten sechs Schuljahre, besonders an die Zeiten in denen kleine Dramen oder Märchen einstudiert wurden. Hier konnte ich meiner Phantasie freien Lauf lassen. Ich erfand die tollsten Wendungen und Übergänge in die bunte Welt der schillernden Gestalten von Zwergen, Hexen, Feen und anderen Fabelwesen.

Meine Mutter besuchte mich nicht oft. Für mich war sie einfach die Frau mit den roten Haaren, die mit mir manchmal „sündige“ Kinobesuche machte. Trotz Umarmungen und Küssen habe ich nicht verstanden, warum ich ihr Mutter sagen musste und zu meiner Pflegemutter Tante.
Aus abgrundtiefem Hass auf den Nachbarn, der meinen geliebten Hund Tippy erschoss, verweigerte ich jeglichen Kontakt zu meinen Pflegeeltern und verkroch mich in einer Ecke Bungalows. Bolenders verständigten meine Mutter, die mit ihrer Freundin Grace McKee, angereist kam.
Als die beiden Frauen mir halfen, meinen Tippy zu begraben, verspürte ich eine grosse Anteilnahme an meinem Leid und das erste Mal auch ein Gefühl der Zugehörigkeit zu meiner Mutter.

Sie zahlte den Bolenders die Unterhaltskosten und nahm mich mit nach Hollywood, wo sie mit einem Darlehen ein möbliertes Haus kaufte, das sie vermietete und sich selbst ein Zimmer mit Küchen- und Badbenutzung zurückmietete, um das Darlehen zurückzahlen zu können.
Mein Leben war voller Gegensätze. Meine Mutter und ihre Freundin arbeiteten schwer, aber nach der Arbeit genossen sie das Leben in vollen Zügen.
Sie gingen aus und amüsierten sich mit Freunden. Am Wochenende erlebte ich mit ihnen Hollywood, mit seinen Filmpalästen und den vielen Stars. Ich sass manchmal den ganzen Tag, bis spät abends in den Kinos.
Millionen von Amerikanern bewunderten zu dieser Zeit die Schauspielerin Jean Harlow, die als strahlende Blondine in dem Film „Dinner at Eigth“ die Aufsteigerin des Jahres 1933 wurde.
Die Begeisterung meiner Mutter und Grace für diesen Star übertrug sich auf mich, Jean Harlow wurde meine Lieblingsschauspielerin.“

Der Selbstmord ihres Grossvaters schien Gladys in dem Glauben zu bestärken, dass Geisteskrankheit auf ihrer Familie lastete. Sie wurde von einem religiösem Wahn befallen und 1934 in ein Sanatorium eingeliefert. Für die 8jährige Norma Jeane sorgte von nun an Grace McKee.
Grace heiratete 1935 einen erfolglosen Schauspieler und Norma Jeane wurde am 13.9.1935 im Waisenhaus Orphans Homme, im Norden von Hollywood, abgegeben. Grace besuchte Norma Jeane meist an Wochenenden, an denen sie das Mädchen mit Kinobesuchen verwöhnte und sie in den zahlreichen Schminkstuben und Haar-Salons als Kindsfrau herausputzen liess. Sie sollte aussehen wie Jean Horlow.

So berichtet Norma Jeane über diese Zeit: „Immer wieder berührte Grace eine Stelle auf meiner Nase, von der sie meinte, sie weiche hier von der Nase der Harlow ab. Ende 1936 war für mich eine traurige Zeit. Grace hatte mich ein paar Wochenenden hintereinander im Stich gelassen. Ich flüchtete wieder in meine Traumwelt, in der realen musste ich oft weinen und begann zu stottern. Ich schickte mir selbst Postkarten, die ich den anderen Kinder als Beweisstücke für das Existieren von Eltern vorlegte. Grace hat mir immer wieder versprochen, alles zu tun, um mich aus dieser traurigen Situation zu befreien. Endlich, am 7.Juni, erfüllte sie ihre Versprechungen. Ich war glücklich, wieder ein richtiges zu Hause zu haben und auch Ervin, Grace’ Mann, schien mich zu mögen.

In meiner kindlichen Naivität merkte ich nicht, dass er mit seinen zärtlichen Umarmungen mehr, als „Vaterliebe“ zeigen wollte. Eines Tages konnte ich mich nur mit heftiger Gegenwehr seinen drängenden Händen entwinden. Zitternd rannte ich zu meiner Tante und berichtete schluchzend, was vorgefallen war. Die Konsequenz war, dass ich das Haus verlassen musste.
Ich kam zu einer Grosstante. Kurz vor meinem 12. Geburtstag hatte ich ein tief prägendes Erlebnis mit meinem damals 13jährigen Cousin Jack. Er drängte mich mit Gewalt zu sexuellen Handlungen.
Diese beiden „Vorfälle“ konnte ich mein Leben lang nie vergessen.
Kurz darauf holte mich Tante Grace und brachte mich zu ihrer Schwester Ana.
„Tante Ana“ veränderte mein Leben. Ich liebte diese voluminöse Frau und stiess mit meiner Zuneigung auf grosse Gegenliebe; sie war ein wunderbarer Mensch, der mich verstand.

Im Herbst 1939 begann für mich ein aufregender Lebensabschnitt. Ich war mit 1.65m das grösste Mädchen der achten Klasse und hatte bereits den Körper einer Frau.
Die Mädchen beneideten mich meiner Schminkkenntnisse wegen und, wie mir die Jungs auf der Strasse hinterher pfiffen. Die Lehrer schickten mich nach Hause, weil ich meine Brüste unter engen Pullovern zur Schau stellte und hautenge Männerjeans, die billiger, trug. Mir aber gefiel es, wenn man mich mit Blicken abtastete.

1940 erkrankte Ana schwer und ich kam zurück zu meiner Tante Grace. Hier lebte unterdessen das gleichaltrige Mädchen Eleanor, das durch Heim- und Pflegeaufenthalte schreckliche Erlebnisse durchgestanden hatte. Wir waren schnell befreundet.
Meine Noten in der Schule waren mittelmässig, die schlechtesten brachten mir meine Vorträge ein. Sobald ich vor anderen etwas vortragen musste, holte mich meine „Stotterer-Zeit“ wieder ein.
Auch in späteren Jahren, bei Theater und Filmrollen oder im Umgang mit Journalisten musste ich, sobald mich etwas aufregte, dagegen ankämpfen.

1942 eröffnete mir Grace, dass ein Umzug nach East Virginia bevorstehe, für mich dort aber kein Platz sei. Der Abschied von meiner Freundin Eleanor viel mir sehr schwer.
Ende Januar zog ich wieder zu Ana. Eine neue Schule erwartete mich, hier kannte mich niemand und ich konnte mich sofort ins richtige Licht setzen.
Ich hatte seit dem letzten Jahr einen Begleiter, der mich schon damals mit einem schnittigen Sport-Cabrio zur Schule brachte. James E. Dougherty war fünf Jahre älter, als ich.
Jimmy, wie ihn alle nannten, sah mit seinem hübschen Schnurrbart Clark Gable ähnlich.
Seine Mutter mochte mich sehr und, als es Ana plötzlich wieder schlechter ging und mir wieder einmal der Gang ins Waisenhaus drohte, arrangierte sie mit Grace die Eheschliessung mit Jimmy. Der war anfänglich nicht begeistert, eine Ehe einzugehen, willigte aber nach längerem Hin und Her doch ein.

Im März 1942, mitten im zweiten Hochschuljahr brach ich die Schule ab. Mit einem Lächeln denke ich an meine Trauung vom 19.6.1942 zurück: Ich stand zitternd neben Jimmy, den ganzen Tag wich ich nicht von seiner Seite, aus Angst, er könnte abhauen und ich müsste wieder ins Waisenhaus.
Die Ehe machte mich nicht traurig, aber auch nicht glücklich. Jimmy und ich hatten uns nicht viel zu sagen.
Während Jimmys militärischer Grundausbildung auf der Insel Catalani, durfte ich ihn, mit meinem Hund Bugsy, einem Collie, den ich auf der Strasse aufgelesen hatte, begleiten.
Ich verbrachte, sehr zum Ärger meines Mannes, die meiste Zeit am Strand, bekleidet mit einem knappen Bikini, der die Blicke seiner Kameraden und Vorgesetzten auf sich zog.

Im Frühjahr wurde Jimmy in den Krieg eingezogen und ich verabschiedete mich, aus Angst verlassen zu werden, unter Tränen, von ihm.
Ich kehrte nach North Hollywood zurück und lebte mit meiner Schwiegermutter zusammen, die als Krankenschwester in einer Rüstungsfirma arbeitete. Im April vermittelte sie mir dort Arbeit, wo ich zuerst in der Abteilung für Flugzeugteile als Lackiererin und später als Fallschirmmaterialprüferin arbeitete.

Im Herbst 1944 wurde ich durch Zufall von dem Militärfotografen David Conover, anlässlich Propaganda-Aufnahmen, entdeckt.
Meine Figur und mein Aussehen haben ihn so fasziniert, dass er von Juni bis August des folgenden Jahres an verschiedenen Orten in Kalifornien mit mir Aufnahmen für ein Armeeheft machte.
Meine Blitzkarriere hatte begonnen, am 2 August bewarb ich mich bei der Blue Book Agency als Fotomodell.“

In den Akten der Agentur steht: Grösse 1.65m, 107 Pfund, Masse 91- 61- 86,
Kleidergrösse 38, Haarfarbe mittelblond: zu lockig, bleichen und Dauerwelle empfohlen, perfekte Zähne, kann singen und tanzen.
1946 war für Norma Jeane die Loslösung von allem. Verheiratete Frauen waren glücklich, wenn ihr Ehemann den Krieg unversehrt überstanden hatte, aber die 20jährige wurde am 13.September geschieden.

Anfang des Jahres stand Norma Jeane für Probeaufnahmen in den Twentieth- Century-Fox- Studios. Der Kameramann Leo Shamroy beschrieb einige Jahre später die Begegnung mit Norma Jeane: „Als ich sie das erste Mal durch meine Kamera sah, dachte ich, dieses Mädchen wird eine zweite Harlow. Ihre Natürlichkeit, gepaart mit ihren körperlichen Reizen, machte sie geheimnisvoll anziehend. Seit den Stummfilmzeiten hat es so etwas nicht mehr gegeben. Die Schönheit einer Gloria Swason, der Sex-Appeal der Harlow — hier kamen Gefühle rüber, die eine Tonspur erübrigt hätten.“
Ein steiniger Weg mit Entbehrungen und ungeahnten Demütigungen begann für Norma Jean.
Da der Name Dougherty nicht sehr werbewirksam schien, wurde er, auf ihren Vorschlag hin, durch den Familiennamen mütterlicherseits ersetzt. Man einigte sich auf den Vornamen Marilyn, so wie der Broadway-Star der 20er Jahre, „Marilyn Miller“.
Marilyn bekam in diesem Jahr nicht eine Filmrolle. Ihr Vertrag wurde um ein halbes Jahr verlängert und so erhielt sie, wohl eher notgedrungen, zwei unbedeutende Auftritte, in „Summer Lightning“, und in „Dangerous Years“ spielte sie eine Kellnerin.
Im August wurde der Vertrag nicht mehr verlängert. Sie aber gab die Hoffnung nicht auf und besuchte Kurse in Schauspiel- und Theaterunterricht.
Um sich ihren Unterhalt und die teuren Kurse leisten zu können, verkaufte sie sich, wie viele Mädchen, in den Seitenstrassen Hollywoods und Santa Barbaras an Freier.

Durch Zufall lernte sie das Ehepaar Caroll kennen. Jon Caroll war ein erfolgreicher Geschäftsmann. Seine Frau Lucille Ryman betätigte sich für Metro Goldwyn Mayer als Talentsucherin. Durch die Carolls lernte Marilyn viele einflussreiche Leute kennen, unter anderem auch Joe Schenk, den 63jährigen TWC- Produzenten.
Die Freundschaft mit Joe brachte eine grosse Wende, Joe förderte ihre Karriere und vermittelte ihr einen Vertrag mit den Columbia Studios, an den die Bedingung geknüpft war, dass der letzte Rest der braunen Haare zu verschwinden habe.
Die Werbemaschinerie begann zu laufen und die Verkörperung des weiblichen „Amerikanischen Traums“ nahm seinen Lauf.
Marilyn Monroe erhielt nie Traumgagen, die sie zu einer reichen Frau gemacht hätten. Sie wurde oft von Produzenten benutzt und ausgenützt.

1950- 1955 : In diesen Jahren spielte Marilyn mit viel Erfolg in 15 Filmen mit.
1954: Heirat mit dem Baseball-Star Joe DiMaggio. Marilyn verweigerte eine zu triviale Rolle bei Fox, (“Pink Tights“)
1955: Scheidung von Joe, Filmpause und einjähriger Aufenthalt in NY. Erste psychotherapeutische Behandlungen. Schauspielausbildung bei Lee Strassberg. Liebschaft mit dem Dramatiker Arthur Miller. Gründung der eigenen Filmproduktionsfirma mit Teilhabern.
1956: 29.6. Heirat mit Arthur Miller. Erster Film in eigener Produktion in England:
“The Sleeping Prince“
1956-1960: Beteiligung bei fünf Filmen: „Bus Stop“, “The Prince and the Showgirl“, “Some Like It Hot”, “Let`s Make Love” und “The Misfits”. In diesen Jahren betrauert Marilyn zwei Fehlgeburten und ihr Tablettenkonsum steigt besorgniserregend. Eine Liebesaffäre mit Yves Montand trübt ihre Ehe.
1961: Im Januar Scheidung von Arthur Miller. Im Februar wird Marilyn in eine geschlossene psychiatrisch Klinik eingewiesen, mit der Diagnose schwerer Depressionen und Schock. Ihr zweiter Ehemann Joe DiMaggio befreit sie gewaltsam aus der geschlossenen Klinik.
1962: Am 3.März erhält sie den „Golden Globe“ als beliebteste internationale Schauspielerin. Kurze Affäre mit John F. Kennedy, dem sie am 7.Mai im Madison Square Garden das Ständchen: „Happy Birthday, Mr.President“ bringt. Im Juli findet die letzte Foto-Session mit Marilyn Monroe in Hollywood statt. Neuer Hochzeitstermin für den 8. August mit Joe DiMaggio wird bekannt gegeben.
In der Nacht vom 4. auf den 5.August 1962 stirbt Marilyn Monroe in Los Angeles, trotz der vielen Spekulationen, höchstwahrscheinlich an einer Medikamentenvergiftung. Am 8.August findet in der Kapelle des Leichenschauhauses von Los Angeles die Abdankung für Marilyn Monroe statt.
Die Presse und die ganze Filmbranche werden von der Zeremonie ausgeschlossen.

Emanuel Xeron Waldes

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