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OSTERN INTERNATIONAL
2008-03-17

ÜBERALL EIN BISSCHEN ANDERS

Ostereier bunt anmalen und ein paar Zweige in der Wohnung damit dekorieren, sowie Ostereier, die angeblich der Osterhase gebracht hat, suchen — diese beiden Bräuche kennt man beinahe überall auf der Welt.

Was wird in anderen Ländern sonst noch an Ostern gemacht? Was ist besonders typisch für ein Land und für ein anderes dagegen eher unüblich?

Wir haben uns informiert und Erstaunliches dabei herausgefunden. Nun können wir Ihnen eine Auswahl an schönen, traditionellen, originellen und auch kuriosen Osterbräuche aus aller Welt präsentieren. Wie wär’s: Probieren Sie den einen oder anderen doch dieses Jahr mal bei sich zu Hause aus!

Finnland:In Finnland schlägt man Freunde und Bekannte am Palmsonntag leicht mit einer Birkenrute, der „Virpovitsa". Das soll Glück bringen und erinnert an die Palmwedel, mit denen Jesus vor 2001 Jahren in Jerusalem empfangen wurde. Am Ostersonntag heisst es dann: Ohren zuhalten! Dann ziehen nämlich die Kids mit allem, was Krach macht, durch die Strassen.

Sie beenden so die „stille Woche", die traditionell vor Ostern begangen wird.

Schweden:Die Kinder in Schweden freuen sich am meisten auf den Ostersamstag, der „langer Samstag" genannt wird. Dann verkleiden sie sich mit Kopftüchern und langen Röcken als „Påskäring", das bedeutet auf Deutsch soviel wie „Osterweiber“. Fast wie Hexen sehen sie mit der Verkleidung aus. Mit einem Kaffeekessel rennen sie von Tür zu Tür und betteln um Süssigkeiten. Die Erwachsenen schmücken ihre Wohnungen mit ganz viel Birkenreisig, an den sie knallig-bunte Federpuscheln hängen. Die Osterfarbe ansonsten ist gelb und so bringen die Osterküken die Ostereier.

Mit Feuerwerkskörpern, Lärm und Osterfeuer werden die bösen Osterhexen am Ostersonntag verjagt.

England:In England heisst der Gründonnerstag „Maundy Thursday“. Das kommt von „maund“, dem Korb, in dem die Armen ihre Gaben heimgetragen haben. Beim „Royal Maundy“ hat der englische König so viele Bettler in Westminster Abbey beschert, wie er selbst Jahre zählte. Er wusch ihnen dabei sogar die Füsse. Elizabeth I. gab jedem Bettler Stoff für ein Gewand, ein Paar Ärmel, eine halbe Lachsseite, sechs rote Heringe, Brot und Rotwein. Königin Viktoria verschenkte Wolle und Leinen, den Mädchen Schuhe und Strümpfe, den Frauen fünfunddreissig Shilling für einen Kleiderstoff. Ende des vorigen Jahrhunderts wurden rote und weisse Geldbörsen mit eigens geprägtem, aber gültigem Silbergeld verschenkt, ein Penny gab es für jedes Lebensjahr der Königin.

Auch heute noch gibt die Queen einigen Armen symbolisch Almosen.

Aus den Frühlingsfesten der Griechen, Sachsen und Römer entstand ein anderer wichtiger Osterbrauch Englands, die Marterbrote. Es ist Sitte, am Karfreitag in der Frühe diese Brote frisch zu backen. Die Marterbrote bestehen aus Hefeteig, der mit einer Prise Zimt, einem halben Teelöffel gemischten Gewürzen, einer Hand voll Rosinen und einem Esslöffel Orangeat und Zitronat verknetet und zu kleinen Kugeln gerollt wird. Wenn sie zu Brötchen aufgegangen sind, wird die Oberfläche kreuzweise eingeschnitten. Die Kreuzbrötchen werden nun mit Ei bepinselt und bei starker Hitze braun gebacken. Es wird berichtet, dass die Briten schon in heidnischen Zeiten zur Feier des Frühlingsanfangs kleine Brote und anderes Gebäck gebacken hätten, das mit magischen Symbolen versehen war.

Früher wurden die Marterbrote das ganze Jahr gegen Krankheiten und Feuersbrunst aufgehoben.

Luxemburg: In Luxemburg ziehen die Kinder am Karfreitag mit Schlehdornsträuchern, den sogenannten „Jaudes", die mit bunten Bändern und Papierblumen geschmückt sind, singend und klappernd durch die Strassen. Am Abend werden die Sträusschen traditionell verbrannt.

Deutschland:In Deutschland wird aus Dankbarkeit für das lebensspendende Wasser, der Brunnen im Ort mit Osterschmuck verziert. Dieser Brauch geht in die Zeit der alten Germanen zurück, die glaubten, dass, wer sich am Ostermorgen im fliessenden Bach wäscht, für immer jung und schön bleibt. Auch das Vieh trieb man damals zu Ostern in den Bach, um es vor Krankheiten zu schützen.

Schweiz:In der Schweiz heisst der Palmsonntag, an dem ein grosses Kinderfest gefeiert wird, in vielen Gegenden auch „Kränzchentag“. Alle ziehen gemeinsam auf einen Hügel. Die ganz kleinen Kinder pflücken dort fleissig Blumen, aus denen die grossen Mädchen dann schöne Kränze winden, während Jungen Weidenflöten schnitzen oder andere Musikinstrumente anfertigen. Am Nachmittag zieht dann die ganze Kinderschar mit einem Blumenkranz auf dem Kopf zur Musik der Jungen ins Tal, wo schliesslich gemeinsam gegessen wird.

Österreich: Der Palmsonntag ist für die Kinder in Österreich besonders wichtig. Sie bitten an diesem Tag für gutes Wachstum, indem sie mit Bändern, Brezeln und Äpfeln geschmückte Palmstangen und -besen zur Kirche tragen. In einigen Städten gehen sie mit Holzreifen durch die Städte, die sie mit langen Stäben zum Laufen bringen. Laute Ratschen, hölzerne Handgeräte mit hin- und herschwingendem Hammer, ersetzen das Kirchengeläut.

Übrigens, Karfreitag ist nur für evangelische Österreicher arbeitsfrei.

Frankreich:In Frankreich suchen die Kinder erst am Ostermontag nach ihren Ostereiern und Schokoosterhasen. Die Eltern verstecken die Eier, während die Kleinen sehnsüchtig in den Himmel schauen, um einen Blick auf die Osterglocken zu erhaschen, die, so sagt man dort, von Rom nach Frankreich zurückfliegen.

Von Karfreitag bis Ostermontag sind die Kirchenglocken zum Zeichen der Trauer für den gekreuzigten Jesus still.

Italien: Ostern ist in Italien ein rauschendes Familienfest, bei dem sich alle zum Essen, Tanzen und Feiern treffen. In Italien isst man an Ostern traditionell eine sogenannte „Ostertorte", das ist ein salziger Kuchen mit gekochten Eiern und Spinat oder eine „Paloma di Pasqua“, also eine „Ostertaube", die einem Gugelhupf ähnelt.

In vielen Orten gibt es Karfreitags eine Prozession, bei der das Kirchenkreuz durch die Strassen getragen wird. Die dunkel gekleideten Teilnehmer schreiten langsam durch die Gassen, die Strassenlaternen sind ausgeschaltet, überall brennen Kerzen. Menschen und Kirchenglocken schweigen. Die Auferstehung wird am zweiten Osterfeiertag bei einem Ausflug mit Freunden oder der Familie gefeiert.

Spanien:Spanien ist bekannt für seine „Semana Santa“, die Karwoche mit ihren grossartigen und weltberühmten Karfreitagsprozessionen. Die Tradition der „Semana Santa“ geht auf das

16. Jahrhundert zurück, als die katholische Kirche beschloss, der Bevölkerung die Passion Christi auf leicht verständliche und zugleich eindrucksvolle Weise nahe zu bringen: die bedeutendsten Künstler wurden beauftragt, Heiligenfiguren aus Holz anzufertigen, die dann, mit wertvollen Seidengewändern bekleidet, vor den Prozessionen hergetragen wurden. Der Realismus der Darstellungen hinterliess tatsächlich einen tiefen Eindruck und findet auch heute noch in genau der gleichen Weise, wie früher, statt. Die interessanteste Karfreitagsprozession findet in Sevilla statt. Gleich eine Woche lang beben in Sevilla, der Hauptstadt Andalusiens, die Strassen, wenn Tausende Spanier und Touristen aus aller Welt die prachtvollen Prozessionen bestaunen. Insgesamt gibt es 52 davon. Die einzelnen Prozessionen ziehen von den Pfarrkirchen zur gotischen Kathedrale Santa Maria, Spaniens grösstem Gotteshaus und wieder zurück, was bis zu acht Stunden dauern kann. An den Spitzen der Prozessionen tragen die „Costaleros“ die bis zu 100 Kilo schweren, lebensgrossen Heiligenfiguren in wertvollen Seidengewändern. Dahinter folgen die geheimnisvollen „Nazarenos“, mit langen Mänteln und Kapuzen, die nur die Augen freilassen, und die büssenden „Penitentes“ mit grossen Holzkreuzen auf den Schultern. Für den Zuseher sind diese Prozessionen, die von Musik und Weihrauch begleitet werden, äusserst eindrucksvoll. Auch weltberühmt und sehr sehenswert: In Palma de Mallorca wird am Ostersonntag vor der Kathedrale die Kreuzigung nachgespielt.

Russland:Das orthodoxe Osterfest in Russland kennt die Auferstehungsfeier in der Nacht. Die Gläubigen nehmen dorthin nicht nur eine Osterkerze, sondern auch einen braunen „Kulitisch“, das ist ein Hefekuchen, sowie die, am Vortag von den Kindern bemalten Ostereier mit in die Messe und lassen alles weihen. Nach der Auferstehungsmesse gehen sie mit den Körben voll geweihter Speisen nach Hause und stellen sie dort auf den vorher schon gedeckten Ostertisch. Dann wird beim Licht der Osterkerzen gegessen und getrunken, bis die Sonne aufgeht.

Es gibt: Schinken, Spanferkel, Brot, Wodka, Tee und vieles mehr.

USA: In New York findet am Ostersonntag auf der Fifth Avenue die traditionelle „Easter Parade“ statt. Blumengeschmückte Festwagen und Menschen in prächtigen und extravaganten Hüten defilieren über die Prachtstrasse. Eine lustige Sitte ist das Eierrollen, das seit über 100 Jahren am Weissen Haus in Washington stattfindet. Jeden Ostermontag wird ein abseitiges Gartenstück zur Spielwiese und Dutzende von Eiern rollen hinunter. Jeder Teilnehmer erhält als Dankeschön ein, vom Präsidenten und seiner Ehefrau signiertes Ei aus Holz.

Das Eierrollen symbolisiert vermutlich das Wegrollen des Steines vom Grab Christi.

Mexiko: In Mexiko dauern die Osterfestlichkeiten fast zwei Wochen und haben Volksfestatmosphäre. Über den Strassen hängen Girlanden aus buntem Toiletten- und Krepppapier. In einigen Orten leben auch vorspanische Bräuche wieder auf: Mit pfauengleichem Kopfschmuck tanzen Männer zu Flöten- und Trommelmusik durch die Strassen.

In vielen Städten gibt es zwei Karfreitagsprozessionen. Am Vormittag wird farbenfroh nachgestellt, wie römische Soldaten hoch zu Ross Jesus zum Kreuzigungsplatz bringen. Am Nachmittag dann die schwarze, schweigende Kreuzigungsprozession. Mit Spannung wird der Samstag erwartet: Dann hängen knallig-bunte Pappmaché-Figuren an Seilen über den Strassen. Sie haben Gesichter von Judas, dem Teufel oder unbeliebten Politikern, werden mit Feuerwerkskörpern angezündet und symbolisieren den Sieg des Guten über das Böse.

Philippinen:Wenn am Ostermorgen die Kirchenglocken läuten, heben überall auf den Philippinen die Eltern ihre kleinen Kinder am Kopf hoch.

Sie hoffen, dass ihre Kinder dadurch besser wachsen.




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