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REDEWENDUNGEN UND SPRICHWÖRTLICHE REDENSARTEN RUND UM DAS AUGE
2010-01-01

Hier nun Sprichworte zum Begriff „Auge“

„Das Auge des Gesetzes“:Damit ist die Polizei gemeint. Dieser idiomatische Ausdruck ist allgemein bekannt geworden durch das Gedicht „Lied von der Glocke“ von Friedrich Schiller, in dem es heisst: „Denn das Auge des Gesetzes wacht“. Diese Redewendung gibt es aber viel länger: Schon bei antiken Autoren ist oft vom „Auge der Gerechtigkeit“ die Rede.

„Jemandem gehen die Augen auf“: Jemand durchschaut plötzlich alles.

„Jemandem gehen die Augen über“: Jemand ist von einem Anblick überwältigt oder jemand beginnt zu weinen.

„Ganz Auge und Ohr sein“: Genau aufpassen, genauestens beobachten, fasziniert sein und seinen Blick nicht lösen können.

„Da bleibt kein Auge trocken“: Alle weinen vor Rührung.

„Soweit das Auge reicht“: Soweit man sehen kann.

„Die Augen sind grösser, als der Magen“: Sich mehr auf den Teller schöpfen, als man essen kann.

„In diese Suppe schauen mehr Augen hinein, als heraus“: Diese Suppe ist ohne Fett zubereitet, sie ist sehr dünn und wässrig. Diese Redensart ist ein Wortspiel mit „Auge“ in der Bedeutung „auf einer Flüssigkeit schwimmender Fettropfen“.

„Vier Augen sehen mehr als zwei“: Zwei Menschen, die gemeinsam aufpassen, entgeht weniger, als einem.

„Grosse Augen machen“: Staunen und sich wundern.

„Augen machen, wie ein abgestochenes Kalb“: Dümmlich, verwundert dreinblicken, schmerzlich verblüfft, hilflos, töricht und stumpfsinnig dreinschauen.

„Um ihrer schönen Augen willen“: Unberechtigter Weise Zugeständnisse machen, Vorteile geben.

„Jemandem schöne Augen machen“: Jemanden verführerisch ansehen, flirten, verliebt und kokettierend umherblicken.

„Das Auge beleidigen“/„Eine Beleidigung für das Auge sein“: Abstossend wirken, für einen ästhetischen Menschen nicht zumutbar sein.

„Die Augen aufmachen/aufsperren/auftun“: Genau auf das achten, was um einen herum vorgeht.

„Kaum die Augen aufhalten können“: Sich kaum wach halten können.

„Augen und Ohren aufhalten“: Aufmerksam etwas verfolgen.

„Die Augen auf null stellen/drehen“: Sterben.

„Jemandem die Augen öffnen“: Jemanden darüber aufklären, wie unerfreulich etwas in Wirklichkeit ist und ihm die bittere Wahrheit zu verstehen geben über eine Person oder Sache.

„Ein Auge/beide Augen zudrücken“: Etwas nachsichtig, wohlwollend übersehen, ein Vergehen milde beurteilen und nachsichtig behandeln. Wer ein Auge zudrückt, sieht weniger, als der, der mit beiden Augen zusieht. (Gegensatz: „Vier Augen sehen mehr, als zwei“.)

„Ein Auge riskieren“: Einen verstohlenen Blick auf jemanden oder etwas werfen.

„Seine Augen vor etwas verschliessen“: Etwas ganz bewusst nicht wahrhaben wollen.

„Kein Auge zutun/zumachen“: Nicht schlafen können.

„Seine Augen überall/vorn und hinten haben“: Alles genau beobachten, damit einem nichts entgeht.

„Hinten keine Augen haben“: Nach rückwärts nichts sehen können und nichts dafür können, wenn man jemanden tritt oder stösst.

„Augen im Kopf haben“: Etwas durchschauen, beurteilen können.

„Keine Augen im Kopf haben“: Nicht aufpassen.

„Augen haben, wie ein Luchs“: Ungewöhnlich gut sehen können.

„Sich die Augen nach jemandem ausschauen“: Angestrengt Ausschau halten.

„Sich die Augen aus dem Kopf weinen“: So heftig weinen, dass die Augen nichts mehr erkennen können.

„Ein böses Auge haben“: Der Ausdruck beruht auf dem Glauben, dass der Blick gewisser Menschen schädlich wirke. Der böse Blick wird vor allem denen zugeschrieben, die auch sonst als zauberkräftig gelten, beispielsweise Hexen und er wird vor allem gefürchtet für die am meisten gefährdeten Personen, wie zum Beispiel Kinder, Bräute, Schwangere oder bei wichtigen Verrichtungen.

„Augen werfen“: Durch den bösen Blick anderen Schaden zufügen.

„Jemandem am liebsten die Augen auskratzen wollen“: Auf jemanden so wütend sein, dass man ihm am liebsten etwas Böses antun möchte.

„Ein Auge auf jemanden/auf etwas haben“: Auf jemanden oder auf etwas achten und aufpassen.

„Nur Augen für jemanden/für etwas haben“: Jemanden oder etwas ganz allein beachten.

„Ein Auge für etwas haben“: Verständnis und das nötige Urteilsvermögen für etwas haben.

„Die Augen vor etwas verschliessen“: Etwas nicht wahrhaben wollen.

„Seinen Augen nicht trauen“: Vor Überraschung etwas nicht fassen und nicht glauben können.

„Jemandem etwas von den Augen ablesen“: Erkennen, was jemand insgeheim haben möchte.

„Jemandem etwas aufs Auge drücken“: Jemandem etwas, meist Unangenehmes, was man selbst nicht machen möchte, aufbürden.

„Aus den Augen, aus dem Sinn“: Wen man nicht mehr sieht, den vergisst man. Es ist ein bekanntes Sprichwort. Es wird besonders auf Liebende und ihr Schicksal bezogen, wenn sie sich für längere Zeit trennen müssen.

„Jemanden/etwas nicht aus den Augen lassen“: Jemanden oder etwas ganz scharf beobachten.

„Jemanden/etwas aus den Augen verlieren“: Die Verbindung mit jemandem verlieren, etwas nicht weiter verfolgen, sowie jemanden oder etwas in Vergessenheit geraten lassen.

„Jemandem aus den Augen gehen“: Sich nicht mehr bei jemandem sehen lassen.

„Etwas im Auge haben“: Etwas im Sinn haben, vorhaben, anstreben, sowie ein bestimmtes Ziel verfolgen.

„Jemanden/etwas im Auge behalten“: Jemanden oder etwas beobachten, in seinem weiteren Verlauf, bei den weiteren Aktivitäten verfolgen.

„Einem gehen die Augen über“: Die Tränen kommen einem.

„Jemandem Auge in Auge gegenüberstehen“: Jemandem ganz nah gegenüberstehen.

„Ins Auge stechen“: Etwas gefällt einem so sehr, dass man es haben möchte.

„Etwas ins Auge fassen“: Etwas erwägen, sich etwas vornehmen.

„Ins Auge gehen“: Übel ausgehen, schlimme Folgen haben.

„Mit einem lachenden und einem weinenden Auge“: Teils erfreut, teils betrübt.

„Mit offenen Augen ins Unglück rennen“: Eine deutlich erkennbare Gefahr nicht erkennen wollen.

„Mit offenen Augen schlafen“: Nicht aufpassen, unaufmerksam sein.

„Mit einem blauen Auge davonkommen“: Glimpflich davonkommen, mit einem geringen Schaden einer grossen Gefahr entgangen sein.

„Jemanden/etwas mit den Augen verschlingen“: Jemanden oder etwas mit begehrlichen Augen ansehen.

„Auge um Auge, Zahn um Zahn“: Gleiches wird mit Gleichem vergolten. Die Redewendung stammt aus der Bibel, vgl. z.B. Moses 24,19: „Und wer seinen Nächsten verletzt, dem soll man tun, wie er getan hat. Schade um Schade, Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Es handelt sich dabei also eigentlich um Strafen, wie sie für die Rechtsprechung in den Busskatalogen festgelegt waren.

„Unter vier Augen“: Ohne Zeugen, ganz unter sich, persönlich.

„Jemandem unter die Augen treten“: Sich bei jemandem sehen lassen.

„Jemandem etwas vor Augen führen/halten“: Jemandem etwas deutlich zeigen, klarmachen.

„Vor aller Augen“: In der Öffentlichkeit; so, dass es jeder sehen kann.

„Jemandem ein Dorn im Auge sein“: Jemanden stören und ihm deshalb verhasst sein.

„Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“: Berufs- oder Standesgenossen unterstützen sich gegenseitig, wenn einer in Schwierigkeiten gerät.

„Wie die Faust aufs Auge passen“: Überhaupt nicht passen.

„Jemandem Sand in die Augen streuen“: Jemandem etwas vormachen, jemanden stark täuschen.

„Es fällt jemandem wie Schuppen von den Augen“: Jemandem wird etwas plötzlich klar und er begreift die Sache endlich.

„Jemandem wird es schwarz vor Augen“: Jemand wird ohnmächtig.

„Dem Tod in die Augen schauen“: In Todesgefahr schweben, fast schon tot sein.

„Tomaten auf den Augen haben“: Nichts sehen, etwas absolut nicht bemerken und übersehen.

Ilona

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