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„Sekte“ - das ist ein geflügeltes Wort in unserer Gesellschaft - doch was bedeutet es eigentlich konkret? „Das sind so was, wie die Zeugen Jehovas“ hört man oft als Antwort.
Doch was ist „so was, wie die Zeugen Jehovas“?
Ich habe auch schon gehört, dass der Begriff „Sekten“ mit „kleinen religiösen Gemeinschaften“ gleichgesetzt wird.
Die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas selbst sieht das natürlich vollkommen anders: „Sekten sind Abspaltungen vom wahren Glauben. Und, da wir den wahren Glauben haben, sind alle Gruppen ausser uns Sekten. Denn nur wir haben noch den Glauben der Urchristen!“
So! Jetzt wissen wir’s! Oder auch nicht.
Im Lexikon werden Sekten (von lateinisch: sequi = folgen) als „kleine religiöse oder pseudoreligiöse Gemeinschaften“ bezeichnet, die sich von einer grossen Glaubensgemeinschaft getrennt haben. Auch erst in neuerer Zeit entstandene Religionen, die ihren Anhängern einen religionsähnlichen Ersatz anbieten, werden heute als Sekten bezeichnet.
Wieder andere Sekten - und davon gab es in den letzten Jahren eine ganze Menge - wollen auf der Grundlage einer Pseudoreligion die Welt retten.
Sie versprechen ihren Anhängern einen neuen Sinn oder eine grössere Selbstverwirklichung.
Die erwähnten, in neuerer Zeit entstandenen Religionen, die sogenannten Jugendreligionen, entstanden Mitte der 50er Jahre in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Asien.
Ihre Zielgruppe sind hauptsächlich Jugendliche und junge Erwachsene.
Geringe soziale Bindungen oder ungenügend erfüllte Bedürfnisse dieser jungen Leute kommen diesen abstrusen Gruppen sehr entgegen.
Gemeinsame Merkmale dieser Gruppen sind ein hierarchischer Aufbau mit einem Führer oder „Meister“, und die Mitglieder dieser Gruppe müssen sich Ihrem „Führer“ unterwerfen, doch was heisst müssen, sie tun es offensichtlich mehr oder weniger freiwillig - anfangs zumindest.
In manchen Sekten gehen die Mitglieder betteln oder geben sich der Prostitution hin.
Das Gemeinschaftsleben dieser Gruppen ist immer streng geregelt, Einheitskleidung ist oft Pflicht, und die Mitglieder werden in ihrer Persönlichkeit beeinflusst. Dies kann mitunter bis zur Gehirnwäsche gehen.
Oft werden sowohl Elemente aus dem christlichen Glauben, als auch aus den östlichen Religionen verwertet.
Mit Prostitution haben freilich „klassische“ Sekten, wie die Zeugen Jehovas nichts am Hut.
„Eine Sekte ist eine Abspaltung vom wahren Glauben“, sagen sie, und sie selbst haben sich von den „Sieben-Tage-Adventisten“ abgespaltet.
Die Adventisten heiligten, gemäss dem Alten Testament den Samstag, anstelle des Sonntags, wie es in anderen christlichen Gemeinschaften üblich ist, und erwarteten die „Wiederkunft Jesu Christi in Macht und Herrlichkeit“ für das Jahr 1848 - diese blieb jedoch schliesslich aus.
Nun erklärte man, Jesus sei 1848 in sein „himmlisches Heiligtum eingezogen“ und erst nach einer Erntezeit von 40 Jahren werde er, sichtbar für alle, auf die Erde zurückkommen.
Doch abermals kam er nicht.
Die „Ernsten Bibelforscher“ - die späteren Zeugen Jehovas - spalteten sich nun von den Adventisten ab und verkündigten die sichtbare Wiederkehr Jesu Christi auf Erden für 1914.
Des Heiligtums des Samstag haben sie sich längst entledigt - die Zeugen Jehovas heiligen nur noch einen Tag im Jahr, das ist der 14. Nissan nach dem jüdischen Kalender. Dieser Tag liegt nach unserem Kalender im April und an diesem Tage wird des Todes Jesu Christi gedacht, indem das Abendmahl in Form eines Gedächtnismahles eingenommen wird.
Jesus Christus ist nach „Zeugen“-Meinung übrigens keineswegs der Sohn Gottes, sondern der fleischgewordene Erzengel Michael, der sich am Marterpfahl,der Begriff „Kreuz“ ist nach Zeugenmeinung eine Fehlübersetzung, für die, durch die, von Adam und Eva begangene und vererbte Ur-Sünde, stellvertretend für die Menschheit verantwortete.
Deshalb musste er tatsächlich sterben und wurde als „mächtiger Geist“ wieder auferweckt.
Der Leib Jesu ist nach Zeugenmeinung definitiv tot und wird entweder irgendwo für die Zeit, wenn Gott sein Reich auf Erden aufrichten wird, konserviert oder „er wurde irgendwo im Acker verscharrt“, wie einmal aus einem „Zeugen“-Mund verlautete.
Der Begriff „Zeuge Jehovas“ stammt aus dem Alten Testament.
Dort heisst es „Jehova (eine Übersetzungsvariante für Jahwe, den alttestamentlichen Gott) kennzeichnet seine Zeugen, wenn wir der Neuen Welt-Bibel, der Zeugen-Übersetzung folgen.
(In jüdischen Übersetzungen finden wir an Stelle des Namens Jehova meist die Wendung „Der Ewige“, und Martin Luther übersetzt durchgehend mit „der HErr“, wobei das „E“ meist gross geschrieben wird.)
Doch „Zeugen Jehovas“ ist nicht der einzige Name dieser Gruppe. Wir haben eben gerade gehört, dass die Zeugen eine eigene Bibelübersetzung verwenden, die den Begriff „Neue Welt“ in sich trägt. Sie glauben, nach der Wiederkunft Jesu Christi geeint in eben diese Neue Welt marschieren zu dürfen, nachdem die Ungläubigen durch Jesus Christus, alias Erzengel Michael, grausam in der „Schlacht von Harmagedon“ niedergemetzelt worden sind.
Lange zuvor wurden jedoch bereits die ersten der144.000 elitären „Zeugen“ erwählt, die nach ihrem Tode, wie Jesus Christus, als unsterbliche Geistwesen auferweckt und in den Himmel aufgenommen werden.
Der Rest muss sich den Zugang zum kommenden Tausendjährigen Reich erarbeiten, in dem er Felddienst betreibt.
Hierzu gehört der „Von-Haus-zu-Haus-Dienst“, in dem man, grundsätzlich zu zweit und meist ohne sich zunächst zu erkennen zu geben, an Privatwohnungen läutet und erklärt, ein Gespräch zu einem bestimmten Thema mit den Bewohnern des Hauses führen zu wollen.
Hier geht es meist um aktuelle Themen mit einem religiösen Hintergrund. „Weihnachten“ kann beispielweise eine Gesprächseinleitung sein.
Ein solches Gespräch kann z.B. mit der Frage „Wussten Sie eigentlich, dass Weihnachten kein christliches, sondern ein heidnisches Fest ist“?, beginnen, wobei versucht wird, das, mehr oder weniger geschockte Gegenüber verbal platt zu walzen.
„Es ist wichtig, der richtigen Religion anzuhängen und nicht einer, die ein heidnisches Fest für ein christliches verkauft.“
Und wir haben ja schön gehört, was jemandem blüht, der nicht der „richtigen Religion“ angehört und in die Schlacht von Harmagedon hineingerät.
Er wird von Jesus Christus und seinen Mannen gnadenlos abgeschlachtet.
Stirbt er vor dieser Schlacht, erwartet ihn lediglich der ewige Tod und unter Umständen bekommt er während des „Tausendjährigen Friedensreiches“ sogar eine zweite Chance.
Das zweite Standbein des „Felddienstes“ ist der Verkauf des „Wachtturms“, der Vereinszeitschrift der Zeugen, die meist im Doppelpack mit ihrer Schwesternzeitschrift „Erwachtet“ (äusserst billig) verkauft wird.
Oft stehen die „Zeugen“ mit ihrer Ware wortlos in einer Ecke einer Strasse und heben ihre Zeitschrift in die Höhe.
Jetzt sind wir auch schon bei der dritten Bezeichnung dieser Gruppe angelangt.
„Die Wachtturm-Gesellschaft“ ist eine offizielle Geschäftsfirma, die es sich zum Ziel gesetzt hat, biblische Literatur zu verkaufen, heisst es wahrheitsgemäss.
Doch diese Wahrheit wird den Zweite-Klasse-Zeugen, denen, die auf ihren Eintritt ins tausendjährige Reich warten, nicht so gerne verkündet.
Hier wiederholt man lieber die immer noch gültige Ur-Version, nach der die
Wachtturm-Gesellschaft oder besser Jehovas Zeugen das heilbringende Organ auf Erden ist.
Diese Erde wird nämlich von Satan beherrscht und am satanischen System beteiligen sich die Zeugen nicht. So müssen sie in Deutschland keinen Kriegs- und keinen Ersatzdienst leisten.
Stattdessen genügt eine fünf Jahre andauernde Tätigkeit in einer sozialen Einrichtung, bei normalem Gehalt.
Das wiederum ist kein Problem für die Zeugen.
Zurück zum „Warten auf Jesus“: Es wurde 1914 und Jesus kam nicht.
Stattdessen kam der erste Weltkrieg. Nun fiel es den „Zeugen“ wie Schuppen von den Augen:
Jesus ist 1914 in sein himmlisches Königreich eingezogen (wo haben wir das nur schon mal gehört?) und Satan hat in seinem Herrschaftsbereich, auf der Erde, dagegen protestiert und der Menschheit den Weltkrieg beschert.
40 Jahre später sollte Jesus sichtbar auf die Erde kommen, doch er gewährte noch eine „kurze Gnadenfrist“.
So verging Termin um Termin, doch die Mitglieder blieben unverdrossen in ihrem Glauben und Felddienst.
1975 - da werde Jesus bestimmt wiederkommen, hiess es im Wachtturm, nachdem bereits einige Termine verstrichen waren.
Und als das Jahr langsam, aber sicher näherrückte, wurde immer weiter relativiert, bis es 1976 hiess, „wenn auch einige von uns mit der Rückkehr Jesu Christi im Jahr 1975 gerechnet hatten, so sollte man doch wissen, dass nur der Vater im Himmel den Zeitpunkt kenne“; um nun dieses Bibelwort zu malträtieren.
Davon, dass der Wachtturm, das offizielle „Zeugen“-Organ, es selbst war, der die Wiederkunft Jesu für 1975 angekündigt hatte, wollte nun freilich niemand von den Zeugen etwas wissen.
Nun, Gedächtnisschwund kann auch ein Mittel zur Vergangenheitsbewältigung sein....
Jedenfalls heisst es heute nur noch „bald“, wenn vom Eintritt des „Endkampfes gegen Gut und Böse“ und dem darauf anschliessenden Einzug der Zeugen Jehovas, die diesen überirdischen Krieg überleben werden, ins tausendjährige Friedensreich die Rede ist.
Die Botschaft vom 1914 im Himmel aufgerichteten Königreich Gottes im Himmel findet sich hingegen auf der Titelseite jeder Wachtturm-Ausgabe.
Auch die Mitglieder der Neuapostolischen Kirche warten auf die Wiederkunft Christi.
Der Führer dieser Gruppe ist der sogenannte Stammapostel. Der erste Stammapostel verkündete, er werde die Wiederkunft Jesu Christi lebendig erleben. Pech für ihn, als er dann doch starb...
Nun trat ein Nachfolger an seine Stelle und der erklärte, Gott habe eben seinen Ratschluss aus unergründlichen Motiven heraus geändert.
Kein Problem für die Jünger. Die schluckten die Kehrtwendung. Auch ein sektentypisches Merkmal.
Für die „Kirche Jesu Christi der heiligen der letzten Tage“, landläufig auch Mormonen genannt, ist die Bibel nicht das einzige heilige Buch. Das Buch Mormon ist im Zweifelsfall sogar höher zu bewerten.
Es wurde dem Gründer, Joseph Smith, angeblich per Engel überbracht, - allerdings in Engelsschrift.
Doch Smith bekam eine Übersetzerbrille und so konnte er das Werk übersetzen.
Der Engel holte später Brille und Urwerk wieder ab und übrig blieb allein die Übersetzung des Buches Mormon durch Smith.
Dieses Buch erlaubt Männern die Vielehe und verkündet, dass die Mormonen die geheimnisvollen „144.000 mit dem Siegel Gottes an der Stirn“ seien, von denen in der Offenbarung die Rede ist.
Die Mormonen-Missionare werden in Salt Lake City, Utah, Amerika, ausgebildet und dann ausgesandt, um ihre Botschaft zu verkünden.
Mormonen-Missionare beeindrucken durch ihr äusserst freundliches Auftreten, wenn sie sich zu zweit mit dem Fahrrad auf Mission begeben.
Offensichtlich bezahlt die Mutterkirche ihre Vollzeit-Missionare nicht so gut, dass sie sich ein Auto leisten könnten, doch ein teuerer Anzug muss es schon sein.
Kleider machen Leute, und die zu Bekehrenden sollen ja einen guten Eindruck haben.
Die „Pfingstbewegung“, eine extreme Richtung aus dem Dunstkreis des fundamentalen Christentums, das die Bibel absolut wörtlich nimmt, wird mancherorts ebenfalls als Sekte bezeichnet. Sie entstand im Jahr 1906 in Los Angeles, als das in der Bibel übliche „Zungenreden“, das Sprechen in fremden Sprachen, wie es bei Petrus’ Pfingstrede auftrat und im Korintherbrief beschrieben wird, erneut auftrat.
Die neu entstandene Pfingstbewegung betrachtete dies als ihre „Geistestaufe“, die fortan jeden gläubig gewordene Christen erfüllen sollte.
Da ist zunächst einmal die geistige Wiedergeburt, wie sie jeder erleben sollte (Hinwendung zu Gott/Bekehrung und somit Annahme als Kind Gottes/Geistige Wiedergeburt), damit man, im Gegensatz zu den anderen, die in die Hölle kommen, in den Himmel kommen kann, danach erfolgt die Glaubenstaufe durch vollständiges Untertauchen und dann kommt die Geistestaufe, bedingt durch das „Erhalten des Heiligen Geistes“, bei der die Gläubigen beginnen, in fremden Sprachen zu sprechen. Nicht selten schwinden ihnen dabei die Sinne.
Oft glauben sie, hinterher auch die Gabe der Krankenheilung und/oder der Dämonenaustreibung zu besitzen.
In den Gottesdiensten der Pfingstler geht es häufig recht chaotisch zu: Gebete, Gesang, Zungenreden und -gesang, Halleluja-Rufe - alles erschallt teilweise gleichzeitig durch den Raum.
Auch den christlichen Fundamentalisten, eingeschlossen den Pfingstlern, ist eigen, dass sie an die baldige Wiederkunft Jesu Christi glauben.
Nach der Lehre der Fundamentalisten werden die, zum Zeitpunkt der Wiederkunft Jesu Christi, noch am Leben befindlichen wahren Gläubigen lebendig in den Himmel aufgenommen (entrückt) und entgehen somit dem leiblichen Tod.
Die Zurückgebliebenen müssen durch eine schreckliche Zeit von Krieg und Krankheit gehen. So werden die Mitglieder dieser Richtung durch Hoffnung motiviert und durch Panikmache bei der Stange gehalten. - Eine weitere sektentypisches Methodik.
Modernere Sekten wie die Hare-Krishna-Bewegung oder die Transzendentale Meditation richten sich, im Gegensatz zu den klassischen christlichen Sekten, mehr nach Elementen der östlichen Religion.
Zu diesen sogenannten Jugendreligionen zählen auch die Bhagwan-Sekte und die Mun-Sekte bzw. Vereinigungskirche.
Bhagwan, Philosoph, 1931 als Rajneesh Chandra Mohan in Indien geboren, will 1953 seine „Erleuchtung“ gehabt haben.
Seitdem sammelte er Jünger um sich und 1974 zog er mit ihnen nach Poona bei Bombay. Immer mehr Anhänger gesellten sich zu seiner Schar.
1981 musste der Erleuchtete vor der indischen Steuerfahndung in die USA flüchten, wo er in Oregon einen ganzen Landstrich kaufte.
1985 musste Bhagwan die USA verlassen, sein Imperium zerfiel und er gab seinen Kult auf.
1989 starb Bhagwan, doch ein Ableger der Gruppe bildete sich schnell.
Dieser trägt den Namen Osho-Bewegung.
„Die Wirklichkeit kann man nur erfahren“, war der Leitspruch Bhagwans. Man müsse es schaffen, ein vollkommen leeres Gefäß zu werden, um die Glückseligkeit zu erreichen.
Das ist freilich nicht leicht, und so bot Bhagwan „Hilfestellung“ an. Hierzu gehörte auch die vollständige Unterordnung unter seinen Willen, das einheitliche Tragen der roten Bhagwan-Tracht und einer Holzkette mit dem Bild des „Meisters“.
Die Jünger sollten abhängig vom Erleuchteten werden.
Oft wurden sie es - und hier liegt die große Gefahr dieser Sekte. Eigenes Denken wird mit der Zeit vollkommen untergraben.
Die auf Sun Myung Mun zurückgehende Vereinigungskirche erschien offiziell 1964 auf der Bildfläche.
Mun will mit 17 Jahren eine Vision gehabt haben, in der ihm niemand Geringeres, als Jesus erschien. 1950 erarbeitete er in Südkorea seine „Göttlichen Prinzipien“, die die Grundlage für die Vereinigungskirche bilden.
1954 wurde die „Kirche“ offiziell gegründet, wobei Mun zunächst als Medium diente, später jedoch selbst zum Inhalt der Offenbarungsreden wurde.
1959 gründete Mun eine Firma, die Luftgewehre produzierte und später zum Kern eines Industriekerns wurde.
Nun vertrat er die Lehre von „Gottes letzter Dispensation der Wiederkunft“. Dabei stand Mun selbst als „2. Messias und 3. Adam“ im Mittelpunkt.
1960 heiratete er seine dritte Frau und assoziierte diese Vermählung mit der, in der Offenbarung mystisch beschriebenen, „Hochzeit des Lammes“.
Dies sei nun die „vollkommene Ehe“, die Gott bei der Schöpfung beabsichtigt hatte. Sie sei die Grundlage zur heilen Welt der Zukunft.
Durch ihre Vereinigung wurden Mun und seine Frau zum „substantiellen Gott“.
Sie sind nun die „Eltern“, und die Gemeinschaft ist die „Neue Familie“, so besagt die Sektenlehre.
Nun begann die Mission der Bewegung, die schnell im Westen Fuß fasste.
Durch antikommunistische Äußerungen, wie beispielsweise„der Kommunist ist ein Werkzeug Satans“, wurde die Bewegung in Südkorea anerkannt.
Es enstand ein Geflecht von untereinander verwobenen Industrieunternehmungen und religiösen Organisationen, die die „Errichtung der Weltherrschaft der Familie“ zum Ziel hat.
Man kennt mittlerweile über 80 Unterorganisationen weltweit. Demokratien sollen durch den „Munismus“ abgelöst werden.
Ein ähnliches schwer durchschaubares Geflecht aus wirtschaftlicher Aktivität und Religion bildet die Scientology Church, die 1954 von Ron Hubbard, einem amerikanischen Science-Fiction-Autoren, gegründet wurde.
Die Scientologen sagen von sich, sie würden „angewandte religiöse Philosophie“ betreiben und locken Menschen mit der Aussicht, Ihnen zum Erfolg verhelfen zu können.
Diese Sekte tritt wie ein kommerzielles Wirtschaftsunternehmen auf, wobei sie sich zahlreicher Tarn- und Unterorganisationen bedient. Sie umfasst etwa 25 Mio. Mitglieder und wendet sehr teure Psychotechnik-Kurse an.
Ehemalige Mitglieder berichten von Gehirnwäsche, ständigen Überwachungen, bis hin zu Verfolgungen und Bedrohungen nach ihrem Ausstieg. Zuweilen soll es sogar zu körperlichen Übergriffen gekommen sein.
1995 wurde der Komet Hale-Bopp entdeckt und im Frühjahr 1997 war der Komet zu einem auffälligem Objekt am morgendlichen Nordost-Himmel geworden.
Um diesen Kometen bildete sich ein Drama der übelsten Sorte. Hauptperson war der Guru Marshall Applewhite, der nachweislich psychisch gestört war.
Er, der Führer einer Sekte in San Diego, war überzeugt davon, dass er und seine Untertanen nach einem gemeinschaftlichen Massenselbstmord, in einem Raumschiff, das hinter dem Kometen lauerte, wiedergeboren würden.
Anfang 1997 kursierte sogar ein gefälschtes Foto, das ein, dem Kometen folgendes Riesenobjekt zeigt. Das Foto war eine Fälschung.
Unabhängig davon verkündige Appelewhite seinen Anhängern unverdrossen die Botschaft vom, auf sie hinter dem Kometen, wartenden Raumschiff.
Der Selbstmord wurde sorgfältig vorbereitet und, mittels Wodka und Beruhigungsmitteln, bereitete man sich auf den Tod und die anschliessende Wiedergeburt vor.
Die Sekte hatte eine eigene Internet-Seite und dort wurde verkündet, dass der Komet Hale-Bopp das Zeichen für die Ankunft des Raumschiffes von der übermenschlichen Ebene sei.
Zurück in den Himmel sollte es gehen! Das Schlimmste an der Sache war, dass man nur nach dem Verlassen der „irdischen Behältnisse“ in dieses Raumschiff gelangen konnte.
Und so kam es wieder einmal zu einem Massen-Selbstmord einer Sekte. In einem Abschiedsvideo machten die Sektenanhänger einen entspannten Eindruck.
Eine ähnliche Tragödie soll im Januar 1998 von der Polizei verhindert worden sein.
Der Bruder einer Frau, die der Sekte „Weltuniversität“ angehörte, teilte der Düsseldorfer Polizei mit, dass seine 55-jährige Schwester sich am 8. Januar zusammen mit anderen Sektenmitgliedern auf dem Gipfel des Vulkans Pico de Teide auf Teneriffa das Leben nehmen wollte.
Die Polizei konnte in einem Nachteinsatz das Schlimmste verhindern. Siebenundzwanzig Erwachsene und fünf Kinder, die man an besagter Stelle auf den Kanarischen Inseln antraf, wurden daraufhin in Sicherheitsgewahrsam genommen.
Die Sektenführerin Heide Fittkau-Garthe, bezeichnenderweise Psychologin von Beruf!, hatte, laut Polizeiaussage, den Sektenmitgliedern das ewige Leben versprochen und die Landung eines Raumschiffes auf dem Teide prophezeit - dies sollte die Gruppe retten.
Auch Frau Fittkau-Garthe machte bei ihrer Verhaftung einen entspannten Eindruck.
Die beiden Ereignisse waren nicht die einzigen ihrer Art.
In den letzten Jahrzehnten gab es etliche Selbstmord-Sekten mit Endzeit- oder UFO-Bezug.
In meinem Buch 2000 Der große Umbruch (Boehlau/Wien 1998) widme ich dem Endzeit-Panik-Syndrom, das von Gurus ausgenutzt wird ein langes Kapitel und zum Thema UFO-Sekten (unter diesem Titel 1999 bei Moewig Rastatt erschienen) stellten Lars Fischinger und ich über 350 Buchseiten(!) zusammen.
Es gibt UFO-Sekten ohne Selbstmord-Komponente und Selbstmord-Sekten ohne UFO-Komponente.
Wir alle können uns an die Tragödie um die Sonnentempler in Kanada erinnern.
Sie war nur eine von vielen Sekten-Selbstmord-Dramen.
Die neueste Tragödie dieser Art spielte sich in Uganda ab:
Mindestens 150 Mitglieder einer ugandischen Weltunterganssekte haben sich bei einem rituellen Massenselbstmord nach Stunden voller Gesang und Gebet selbst verbrannt.
Es handelte sich um die Gruppe Bewegung für die Wiedereinsetzung der zehn Gebote Gottes, deren Anführer, der „Prophet“ Joseph Kibweteere, sie dazu aufgefordert hatte, ihre Besitztümer zu verkaufen, um sich besser darauf vorbereiten zu können, in nächster Zeit in den Himmel zu kommen. Nach einer Zeugenaussage soll den Sektenmitgliedern erklärt worden sein, dass die Jungfrau Maria am 17. März 1999 erscheinen und sie in den Himmel führen würde.
Ausbildung und Inanspruchnahme moderner Medizin war den Sektenmitgliedern gänzlich untersagt worden.
Bei dieser Sekte handelte es sich um eine von der ugandischen Regierung anerkannte Abspaltung der katholischen Kirche.
Die Sekte wurde von drei exkommunizierten Priestern und einer Nonne geleitet.
Kibweteere hatte den Weltuntergang bereits für den 31. Dezember 1999 vorausgesagt. Später verschob er den Termin um ein Jahr.
Die Kirche, in der sich die Sektenmitglieder am Freitag, dem 17.3.2000 trafen, lag etwa 300 Kilometer südlich von der ugandischen Hauptstadt Kampala im Ort Kanungu.
Die potentiellen Selbstmörder zündeten nach ihrem „Gottesdienst“ das Gebäude an, nachdem sie sich selbst mit Benzin übergossen und das Gebäude verbarrikadiert hatten.
Unter den Toten befanden sich viele Kinder. Hunderte von Leichen waren bis zur Unkenntlichkeit verkohlt.
Bei dieser Tragödie handelt es sich um den größten bekannten Massenselbstmord, seit 1978 in Guayana 914 Sekten-Mitglieder sich, auf Anweisung ihres Führers, selbst töteten.
In einer Latrine auf dem Sektenanwesen wurden die verwesten Leichen von sechs Männern gefunden. Die Behörden gehen davon aus, dass alle sechs ermordet wurden.
Offenbar befanden sich die Leichen der Männer länger, als zwei Wochen in der Latrine, bevor sie entdeckt wurden.
Kibweteere und ein anderes maßgebliches Führungsmitglied der Sekte hatten am Abend vor dem Massenselbstmord noch mit den Sektenmitgliedern gebetet, danach verliessen sie, Augenzeugen zufolge, das Gelände mit Koffern.
Am Tag der Tragödie erschienen sie nicht mehr zum Gebet. Allem Anschein nach nahmen sie nicht am gemeinschaftlichen Selbstmord teil, sondern verschwanden mit dem Erwerb aus den ehemaligen Besitztümern der Sektenmitglieder, die sich tags drauf verbrannten.
Auch die Sekte Fiat Lux „Es werde Licht“, gegründet von der Schweizerin Erika „Uriella“ Bertschinger-Eicke, gehört zu den „Endzeit-Sekten“.
Die Gruppe spricht allerdings nicht von Selbstmordabsichten, ist aber dennoch zweifellos eine Psycho-Sekte. Zuletzt sprang die „Neuoffenbarungsbewegung“ oder auch „Heilslehre“, wie „Uriella“ sie nennt, auch auf den UFO-Zug auf.
Uriella bezeichnet sich als Heilerin, die ihre „Fähigkeit“ 1971 entdeckte.
Bereits zuvor wurde sie, während eines Komas „erleuchtet“.
Uriella sieht sich als „Volltrance-Sprachrohr Gottes“ an und erhält Nachrichten von der Mutter Maria und Jesus Christus persönlich, die sie an ihre Anhänger weitergibt.
Uriella geriet hauptsächlich durch Gerichtsverfahren in die Schlagzeilen: Da ging es einmal um fahrlässige Tötung, weil ein Patient möglicherweise deswegen starb, weil sie ihn nicht zum Arzt schickte und zum zweiten musste sie sich wegen Steuerhinterziehung verantworten.
Die „Prophetin Gottes“ verkündet ein baldiges Weltende: Polsprung, Finsternis, Feuer vom Himmel (Asteroiden), Massensterben, Zusammenbruch der Weltwirtschaft und dergleichen mehr.
Sie führt ihren Orden mit strengen Regeln und obskuren medizinischen Thesen.
Sie forderte ihre Anhänger auf, weiße Kleidung und ein Kreuz zu tragen, strenge Ernährungsregeln einzuhalten und fordert Enthaltsamkeit.
Uriella kündigte den III. Weltkrieg für Mitte des Jahres 1998 an. Doch auch laut Uriella und ihrem Mann Ricordo gewährte Gott eine Gnadenfrist.
Während des III. Weltkrieges sollen neben anderen Katastrophen „feindliche UFOs umherschwirren“ und rund vier Milliarden Menschen sterben, doch „Jesus Christus ist immer bei uns“, lässt uns Uriella wissen. Wie tröstlich!
Wie andere typische UFO-Sekten spricht Uriella von der „Rettung eines Drittels der Menschheit und von der Evakuierung durch Raumschiffe.
Ziel sei letztendlich der „transformierte Planet Amora“.
Diese Ideen sind allerdings nicht neu, sondern von anderen „UFO-Sekten“ abgekupfert.
Der Gedanke der „Rettung durch Außerirdische Raumschiffe“ und „Außerirdische Heilsbringer“, die die Menschheit „evakuieren“, kursiert schon recht lange und ist eigentlich nicht mehr, als die „galaktische Version“ des christlichen Fundamentalismus.
Ein weiterer UFO-Guru ist Eduard „Billy“ Meier.
Er lebt in der Schweiz mit seiner „Kerngruppe“ auf einem Hof und steht in ständigem Kontakt mit Außerirdischen.
Wir mir seine Frau mitteilte, herrscht auch auf diesem Hof das typische sektenartige Gefüge: Absoluter Gehorsam wird gefordert, Widerspruch wird nicht geduldet, usw. usf.
Wir können konstatieren, dass es eine ganze Reihe verschiedener Lehren gibt, die in Sekten gelehrt werden, dass die Methodik jedoch immer gleich ist.
Unbedingter Gehorsam wird immer gefordert, in den klassischen Sekten oder dem christlichen Fundamentalismus wird dies als „Gehorsam gegenüber Gott“ getarnt, Panik wird erzeugt und auf dem Boden dieser Panikmache wird wiederum Hoffnung aufgebaut, die es jedoch nur auf dem Boden der jeweiligen Lehre und letztlich inmitten der entsprechenden Sekte gibt.
Der kollektive Massenselbstmord ist ein extremer Auswuchs der „Gehorsams-Logik“, in den allermeisten Sekten wird „nur“ der Wille des einzigen gebrochen, so dass das einzelne Sektenmitglied ein schlechtes Gewissen bekommt, wenn es von der Lehre der Sekte abweicht.
Somit ist es sehr schwer und nur nach langer Zeit möglich, vollständig den Absprung zu schaffen.
Deshalb: Meiden Sie alles, was auch nur irgendwie nach Sekte „riecht“ wie die Pest. —
Ich weiß, wovon ich rede, denn ich war selbst jahrelang „dabei“...
Roland M. Horn




