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WAS IST DRAN AM MYTHOS FRÜHLING?
2010-03-01

Nicht nur in Sachen Liebe und Triebe wird dem Frühling viel angedichtet.
Wir haben für Sie die fünf häufigsten Klischees über diese Jahreszeit einmal ganz genau unter die Lupe genommen.

1. Der Frühling macht müde

Es gibt sie wirklich, die berühmt, berüchtigte „Frühjahrsmüdigkeit“. Das typische „Aprilwetter“ mit häufigen Wetterumschwüngen und dem ständigen Wechsel von kalt nach warm, macht vielen Menschen zu schaffen. Sie fühlen sich müde und abgeschlagen.
Wer niedrigen Blutdruck hat, kann ausserdem Probleme mit dem Kreislauf bekommen.
Besonders heftig trifft es alle Wetterfühligen, also alle, die bei bestimmten Wetterlagen und
–änderungen mit Beschwerden reagieren.
Aber es gibt noch einen anderen Grund für die Frühjahrsmüdigkeit: Die innere Uhr stellt sich um. Das Schlafbedürfnis lässt aus biologischen Gründen in den Monaten April und Mai nach –
der Mensch schläft im Durchschnitt weniger.
Aber nicht jeder kommt so ohne weiteres mit weniger Schlaf zurecht. Die Folge: Viele Menschen fühlen sich tagsüber unausgeschlafen.

2. Der Frühling macht uns glücklicher

Zehn Prozent der Deutschen leiden unter einer leichten Form von Depressionen, der sogenannten „Winterdepression“. Die dunklen Tage schlagen ihnen aufs Gemüt.
Diese Menschen können nun aufatmen. Die Tage werden im Frühling deutlich länger und heller. Wer jetzt ins Freie geht, bekommt mehr Licht ab. Und das ist wichtig, denn das Licht unterdrückt die Ausschüttung von Melatonin. Das ist die Substanz im Gehirn, die bei entsprechend empfindlichen Menschen für schlechte Laune und depressive Verstimmung verantwortlich gemacht wird.
Wenn es einem im Frühling besser geht, hat das also biologische Gründe.

Der Frühling hat aber auch eine Schattenseite: Im April und Mai werden die meisten Selbstmorde begangen. Zum Frühlingserwachen mag diese Zahl so gar nicht passen.
Es gibt zwei Erklärungen dafür: Auch Menschen mit sehr schweren Depressionen geht es im Frühling oft besser. Sie werden aktiver. Das hat allerdings die fatale Folge, dass sie nun auch genügend Antrieb haben, den letzten Schritt zu tun: Selbstmord. In besonders schweren Zeiten wären sie dazu vielleicht gar nicht in der Lage.
Der zweite Grund: Eine sehr ernsthafte Form der Depression, die sogenannte „endogene Depression“, beginnt öfter in den Frühlings- und Herbstmonaten, als im Sommer oder Winter. Warum das so ist, können die Wissenschaftler nur vermuten: Möglicherweise hängt der Beginn einer endogenen Depression, wie so viele andere Dinge auch, mit dem Jahresrhythmus unserer Hormone zusammen.

3. Im Frühling verlieben wir uns leichter

Dichter und Sänger schwärmen vom Frühling als Jahreszeit der Liebe. „Frühlingsgefühle“ sollen angeblich die Hormone in Wallung bringen.
In der Tat werden mit Abstand die meisten Ehen im Mai geschlossen. Im Wonnemonat schwören sechs mal so viele Paare vor dem Standesbeamten ewige Liebe und Treue, als beispielsweise im Januar. Doch das hat wohl nur mit der Hoffnung auf schönes Wetter am Hochzeitstag zu tun.
Die Hormone spielen dabei jedenfalls keine Rolle. Männer zum Beispiel bilden nicht im Frühjahr, sondern erst im Herbst verstärkt Geschlechtshormone, wie das Testosteron. Das macht sich dann – neun Monate später – in der Geburtenstatistik bemerkbar: In den Sommermonaten Juli und August kommen im Durchschnitt die meisten Babys zur Welt.
Ein möglicher Grund, warum das so ist: In Urzeiten hatten „Sommerbabys“ bessere Überlebenschancen, als Kinder, die in den kalten Wintermonaten geboren wurden.

4. Der Frühling ist die beste Zeit zum Abnehmen

Der Winter hat bei vielen Menschen Spuren hinterlassen, die im Spiegel und auf der Waage zu sehen sind. Die Vorstellung, sich bald im Bikini oder in der Badehose am Strand zu zeigen, mag so manchem die Lust auf ein Stück Kuchen verderben.
Die Motivation, jetzt mit dem Abnehmen zu beginnen, ist entsprechend gross. Ausserdem fallen uns Diäten jetzt viel leichter, denn im Herbst und Winter haben wir mehr Lust auf Süsses, als im Frühling und Sommer.
Das hat einen biologischen Grund: In der lichtarmen Jahreszeit versucht manch einer, seine Laune mit Süssigkeiten zu heben. Mit Erfolg! Denn die Kombination von Eiweiss und Kohlenhydraten, bzw. Zucker, in Nahrungsmitteln scheint im Gehirn den Stoffwechsel derart anzuregen, dass vermehrt Serotonin gebildet wird – ein Botenstoff im Gehirn, der unter anderem die Stimmung aufhellen kann.
Im Frühling dagegen können wir hingegen offensichtlich den Serotoninspiegel auch ohne süsse Zutat, allein durch Licht und Liebe, aufrechterhalten. Auf den Schoko-Riegel oder das Stück Torte zu verzichten fällt uns dann leichter.

Vielleicht ist der Winterspeck aber auch noch ein Relikt aus vergangenen Zeiten: Er schützte damals vor Kälte und sorgte für die mageren Zeiten der Wintermonate vor – im Zeitalter der Zentralheizung und der gefüllten Kühlschränke eine unnötige Vorsichtsmassnahme.

5. Im Frühling sind wir gesünder

Im Frühling bewegen wir uns mehr, als in den kalten Monaten. Licht, Luft und Bewegung wirken sich auch günstig auf die Gesundheit aus. Der Stoffwechsel und die Hormonfunktion werden angeregt.

Andererseits: Mehreren Millionen Pollenallergikern vermiesen Fliessnase, juckende Augen oder womöglich sogar Asthmaanfälle die schöne Jahreszeit.
Und häufige Wetterumschwünge und starke Temperaturschwankungen können Menschen mit schwachem Kreislauf und Herzpatienten zu schaffen machen.
Diana Garcia

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